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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 4)

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national, und in ihren Hauptvertretern keineswegs in dem allgemeinen und knsmu 
politischen Stil. jener xowj der übrigen Landschaften Italiens, aulgehend. Aber auch hier 
scheiden sich die internationalen Künstler Venedigs, deren Ruf ein europäischer ist und 
die an den Höfen ganz Europas die letzte selbständige Blüthe des alten Kunstlandes 
Italien vertreten, wie die beiden Canaletti, Tiepolo mit seinen Söhnen, endlich die Rösalba 
Carriera, von den speciüsch venezianischen, stets eng auf ihre Heimat und deren Gesichts- 
kreis beschrankten Malern, wie Franc. Guardi, G. B. Piazzetta und Pietro Longhi, die 
eine ähnliche Stellung, wie Goldoni gegenüber seinem Rivalen Carlo Gazzi, dem Dichter 
der Fiabe und der Turandot, einnehmen. 
Das Wirken dieser einzelnen Künstler ward nun naher geschildert, innerhalb der 
ihnen eigenthürnlichen Stofgebiete: Die malerische Entdeckung Venedigs selbst durch 
Ant. Canale und seine Nachfolger Bellotto und Guardi, jeder mit specifischer 
Eigenthnmlichkeit die Vedute pflegend; die monumentale Malerei in ihrer gewaltigen 
Expansion, deren Hauptvertreter der größte Freskant des 18. Jahrhunderts, G. B. Tiepo l o 
ist, erst seit einem Vierteliahrhundert von den französischen Pleinairisten wieder zu 
neuem Leben erweckt; neben ihm der altere Piazzetta, dessen größte Bedeutung 
allerdings nicht in seinen conventionellen Kirchenbildern, sondern in seinen genrehaft 
aufgefassten Schöpfungen liegt; endlich das Portrait und Sittenbild der Pastellmalerin 
Rosa lba Carriera - der dritten bedeutenden Malerin des 18. Jahrhunderts, neben der 
Angelica Kaufmann und der noch jüngeren Vigee Le Brun - und Pietro Longhis, 
dessen wenig bekannte Hauptwerke die Fresken im Pal. Grassi zu Venedig sind. Die 
Schöpfungen der letzteren sind zugleich culturgeschichtliche Documente von größter Be- 
deutung. Die große Malerei war schon vor der Katastrophe des Jahres 1797 dahin, aber 
es waren Sohne der alten Republik, welche die gerade hier zu neuem Leben gekommene 
Stecherkunst (M. Pitteri}. die Piranesi mit ihren römischen Veduten u. A.), sowie 
die Plastik, durchaus im Geiste des antikisirenden Empire in das neue Jahrhundert 
hinübertrugen: auf Antonio Cano va liegt noch ein Hauch altvenezianischen Formgefühls, 
der ihn heute noch schatzenswerth erscheinen lasst. 
Litteratur - Bericht. 
Das neue k. k. Hofburgtheatervals Bauwerk mit seinem Sculpturen- und 
Bilderschmuck. Von Dr. Jos. Bayer, Professor an der k. k. Tech- 
nischen Hochschule. (Die Theater Wiens, III. Bd.) Wien, Gesellschaft 
für verviclfältigende Kunst. 
Nicht allein die Geschichte des neuen Burgtheaters, beginnend mit der Geschichte 
der Baustatte und der Schilderung ihres Zustandes zu Beginn des Neubaues und durch- 
geführt bis zur Vlfürdigung des kleinsten Details der künstlerischen und technischen 
Ausstattung des Hauses, bietet uns der feinfühlige Kunatschriftsteller in diesem Werke, 
dasselbe erhebt sich durch die den einzelnen Abschnitten vorangestellten kunsthistu- 
rischen Studien geradezu zu einem Lehrbuche über den Theaterbau an und für sich. 
Eine Summe von Arbeit und Wissen ist in diesem Werke niedergelegt, die Zeugniss 
gibt von dem Ernste, mitwelchem der Verfasser seine Arbeit aufgefasst hat. Diesem 
Ernste entspricht auch die Gründlichkeit und zweifellos: Unparteilichkeit, mit welchen 
der Antheil einen jeden derbeiden Künstler, denen das Theater seine Entstehung ver- 
dankt, an ihrem Werke festgestellt wird. 
Nach der Schilderung der Geschichte der Baustatte gibt der Autor die Genesis 
des modernen Theaterbaues, wie er sich unter dem Einßusse der Anforderungen der 
neuen Zeit als öffentliche Bildungsstätte aus dem exclusiven hoßschen Theater des vorigen 
Jahrhunderts herausgebildet hat. Wir lernen die verschiedenen Phasen seiner Ent- 
wicklung kennen, vom monumentalen Kunsttempel SchinkePs bis auf den Charaktarbau 
Sempefs, der außer der Monumentalitat auch die innere Anlage in seiner äußeren Ge- 
staltung zum Ausdruck bringt. ' 
Dem nun folgenden Nachweis der Stellung des neuen Burgtheatets in der Ent- 
wicklung des Theaterbaues der Gegenwart, sozusagen der Stammtafel der Bauidee, reiht 
sich die Bauleidensgeschichte des Theaters an, bei welcher der Autor auf das Gewissen- 
hafteste das Widerspiel der Krafte darlegt, dns sich vom Beginn an bei diesem Baue 
geltend machte. Dieser Abschnitt ist gerade heute von besonderem Interesse, wo wenig- 
stens für einen Theil der Mangel _des Zuschauerraumes Abhilfe geplant wird. Neben 
seiner eigenen Ansicht lasst der Autor hier auch den Stimmen der Tagespresse und 
anderer Kunstkritiker einen breiten Raum.
	        

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