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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 4)

Die Beschreibung der architektonischen Durchbildung und des plastischen Schrnuckes 
des Aeußern sowie der plastischen und malerischen Decoration des Innern, die zugleich 
ein Ruhmesblatt einheimischen Kunstvermogens bildet, ist eine Denkschrift, wie sie ein- 
gehender und liebevoller wohl noch keinem modernen Bauwerke zu Theil geworden ist. 
Vom ersten bis zum letzten Accorde ist keine Note dieses überachwanglichen Zusammen- 
klangs aller Kunstzweige unbeachtet geblieben. Den Schluss bildet die Beschreibung der 
Bühneneinrichtung, der Beleuchtung, Heizung und Ventilation, wodurch der Vollstln- 
digkeit des Werkes auch nach der rein technischen Seite Rechnung getragen wird. 
Geradezu glänzend ist die illustrative Ausstattung, welche das Werk durch die 
Gesellschaft für vervielfaltigende Kunst erfahren hat. An erster Stelle stehen W.Würnle's 
Radirungen nach den Deckengetnalden der beiden Stiegenhluser. welche die coloristischc 
Wirkung der Originale in fein empfundener Weise wiedergeben. Bernt's Veduten, Rand- 
leisten und Vignetten sind von gewohnter Frische und Originalitat. ln mehr oder weniger 
umfangreicher Weise haben noch die Zeichner und Radtrer Grubhofer, Kaiser, Groh, 
Leller u. A. mitgewirkt. Nicht vergessen seien zum Schlusse die schönen Photogravuren 
von Paulussen. H-e. 
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Kunstschätze in Elsass-Lothringen, herausgegeben von A. Schricker 
in Gemeinschaft mit A. Baraclt, C. Binder, J. Diener, E. Schwedeler- 
Meyer, A. Seyboth. Straßburg, J. H. Ed. Heitz, 1896. Fol. 22 S. 
Text und 140 Taf. in Lichtdr. M. 70. 
Jede retrospective Kunstausstellung erregt den lebhaften Wunsch, das auf kurze 
Zeit übersichtlich Zusammengetragene in Form einer Publication festzuhalten, da Kataloge 
allein diesen Zweck nicht in genügender Weise erfüllen. Stetig nimmt daher die Zahl 
von Abbildungswetken zu, die ihre Entstehung solchen Ausstellungen verdanken. lhr 
wissenschaftlicher Werth ist um so großer, ie besser diese Reproductionen das um- 
fangreiche, kunsttopographische Material ergänzen, das sich für eine künftige Kunst- 
geschichtsschreibung in Deutschland bereits angesammelt und das sich von Jahr zu Jahr 
reicher, imposanter und übersichtlicher ausgestaltet. 
Elsass-Lothringen, das auf der Ausstellung von 18g; gezeigt hat, welch' reiche 
Kunstschatze es trotz aller Stürme der Vergangenheit noch besitzt, darf sich zwar rühmen, 
eine der lltestcn. nach modernen Principien angelegten Kunsttopographien zu besitzen, 
aber gerade das frühe Erscheinen des Werkes von F. X. Kraus hatte gewisse Mangel 
hinsichtlich der lllustration zur Folge. Ergänzende Abbildungswerke waren daher nirgends 
erwünschter als hier. Sculptur, Malerei und Kunstgewerbe sind die drei Hauptgruppen, 
aus denen t94 Lichtdrucke eine stattliche Auswahl treEen. 
Tafel 5 bis 36 behandelt die Sculpturen. Die merkwürdige Madonnenstatuc von der 
St. Gangolfstraße in Metz, ein Hochrelief aus karulingiacher Zeit, der hochinteressante 
Oelberg v. J. 1498 vorn Kirchhof: zu St. Thomas in Straßburg. und zahlreiche kirchliche 
Holzschnitzereien, zum Theile zwar mehrfach schon publicirt, werden doch erst durch 
diese Reproductionen mit jener Klarheit vor Augen geführt, die ein directea Studium er- 
moglichL- Etwa 2.0 der folgenden Blauer bringen Werke der oberrheinischen (Malerei, 
Arbeiten von M. Schongauer und seiner Schule, das wundervolle, mehrfach als Baldungs 
Werk angesehene Bild nLeben und Tod: u. A. - Die Reihe kunatgewerblicher Arbeiten 
crülTnen mittelalterliche Reliquisre, Ostensorien, Kelche und Procesaionskreuze. llinen 
schließt sich eine Collection prächtiger Goldschmiedearbeiten an, namentlich Becher und 
Pokale, darunter einer der schonsten, der je in Straßburg angefertigt wurde: der Pracht- 
pokal Georg Kobenhaupfs, jetzt in der Münchener kgl. Schatzkammer, und ein anderes 
Stück allerersten Ranges, ein Pokal mit den Figuren der sieben freien Künste in Relief, 
die einzige nachweisbare Goldschmiedearbeit des Züricher Meisters Jacob Stampfen 
Schmiedeeiaenarbeiten, Porzellane, Glaser, schone Wappen-Scheiben, Elfenbeinarbeiten 
vom 7. bis zum I5. Jahrhundert, sehr interessante und gut erhaltene Tapiaserien etc. 
reihen sich ienen Arbeiten ergänzend an. Den Schluss bilden einige Möbel und Proben 
aus dem Straßhurger Buch- und Schriftwesen. 
Der Text, in deutscher, franzosischer und englischer Sprache, bringt in prägnanter 
Kürze alles Wissenswerthe über die einzelnen Stücke und zeichnet sich durch sorgfültig 
gearbeitete Litteraturnachweise aus. Fa. 
e 
Elsässische und Lothringische Kunstdenkmäler. Elsässische Kunstdenk- 
mäler, in Gemeinschaft mit Dr. F. Leitschuh und Museutnsdirector 
Ad. Seyboth herausgegeben von Dr. S. Hausmann. Lothringische
	        

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