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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 4)

Hauptzwecke der Anstalt das wissenschaftliche und künstlerische Studium 
ist, als das Durchwandern der Sammlungssäle allein. Außerdem wurden 
aus der jetzt rund 12.000 Nummern zählenden kunstwissenschaftlichen 
und technologischen Bibliothek, aus der reichen Sammlung von Original- 
stichen, Reproductionen und Aufnahmen an Schulen, Kunstgewerbe- 
treibende und Private in Wien und den Provinzen mehr als 2000 Nummern 
leihweise überlassen, während immerfort auch ausgeführte Gegenstände 
für Provinzialausstellungen oder besondere Zwecke ausgeliehen werden. 
Die Liberalität im Zugänglichmachen der Besitzthümer des Museums, 
die unseres Wissens nicht Ihresgleichen hat, ermöglicht eine viel weitere 
und eindringlichere Einflussnahme, als durch den täglichen Anschauungs- 
unterticht zu erreichen wäre, und die Geräuschlnsigkeit solcher Thätigkeit 
raubt ihr nichts von ihrer Verdienstlichkeit, die auch von genaueren Be- 
obachtern vollauf gewürdigt wird. 
Dem alten Wunsche aller Fachmänner, mit der Zeit die nach Stoff 
und Arbeitsart geordneten Sammlungen durch culturhistorische Gruppirung 
zu ergänzen, hat erst kürzlich Custos Leisching in einem Vortrage in 
unserem Museum Ausdruck gegeben, und auch Julius Lessing erkennt 
seine Berechtigung den Ausführungen im wPan-x gegenüber an; aber Beide 
fordern weder die Verdrängung des alten Systems durch ein neues, noch 
halten sie den Wechsel für leicht und bald durchführbar. Bei den Raum- 
und Geldverhältnissen selbst der größten Museen ist die Bildung von 
geschlossenen, je ein Zeitalter darstellenden Räumen, natürlich neben der 
Vorführung der Stilentwicklung auf den einzelnen Arbeitsgebieten, vorläufig 
ausgeschlossen. Nur in einem neuen, eigens dafür construirten Gebäude, 
wie dem der nIndustri-Foreningenu in Kopenhagen, konnte dieser Versuch 
gemacht werden, über dessen Erfolg uns noch kein Urtheil zusteht. Aber 
eben dort vergegenwärtigt das in seiner Art einzige Rosenborg-Museum 
die große Schwierigkeit des Unternehmens. Dort sind bekanntlich in 
einzelnen Sälen die werthvollsten und wichtigsten Einrichtungsstücke aus 
der Zeit je eines Königs seit Christian IV. vereinigt, meistens aus dessen 
persönlichem Besitze, jedoch aus anderen Schlössern ergänzt. Und eben 
die Herkunft gibt den Sammlungen einen nicht allein nationalen Cha- 
rakter, eine Vorstellung von dem bürgerlichen Leben in der betreffenden 
Periode können sie nicht geben. Und welches in unseren Tagen gegrün- 
dete Museum, auch das mit Objecten und Mitteln am reichsten ausge- 
stattete, wäre in der Lage, eine Zeit auch nur annähernd vollständig und 
treu zu repräsentiren, selbst wenn auf Echtheit von Vorneherein verzichtet 
und jede Lücke durch Copien ausgefüllt werden sollte! Der Gedanke 
braucht deswegen nicht aufgegeben zu werden, aber zur Vorbereitung 
würden viel Zeit und große Summen erforderlich sein. Man erinnert 
sich wohl noch, dass die Kronprinzessin von Preußen vor einer Reihe 
von Jahren die Forderung aufstellte, die aus der ganzen Welt, vorzugs- 
weise aus Italien, erworbenen Kunstwerke sollten in einer Umgebung auf-
	        

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