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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 4)

gestellt werden, ähnlich derjenigen, für die sie einst geschaffen worden. 
Man fand die Idee sehr geistreich, allein von ihrer Durchführung hat 
nichts verlautet - es müsste denn hier oder dort im Stillen und im 
Kleinen eine Anhahnung angestrebt werden. 
An eine bestimmte Adresse scheint der Vorwurf gerichtet zu sein, 
dass Textilstolfe nicht oder doch nicht in genügendem Maße der Be- 
sichtigung und Benützung zugeführt würden; er trifft aber mehr oder 
minder alle gleichartigen Anstalten, die freilich gewichtige Entschuldigungen 
geltend machen können. Ueber die hohe Wichtigkeit der Proben älterer 
Weberei, Stickerei, Spitzenfabrication Gtc. besteht nirgends ein Zweifel, 
aber kein Museum, auch das Londoner eingerechnet, hat die Schauräume, 
die für die einschlägigen Abtheilungen erforderlich wären, zur Ver- 
fügung. Handelte es sich einzig um die Darstellung der technischen Pro- 
ceduren, die an kleinen Abschnitten gezeigt werden könnten, so ließe sich 
allenfalls Rath schaffen, doch genügen in Hunderten von Fällen Motiv und 
Rapport nicht; großcomponirte Seidenstolie, Kirchenparamente, Gobelin- 
wirkereien und so vieles Andere wollen als ganze Stücke in ihrer Formen- 
und Farbenwirkung studirt sein, und was gewöhnlich große Schränke und 
Cartons füllt, würde nebeneinander unter Glas angebracht weite Säle 
erfordern. Im Oesterreichischen Museum haben wir, auch erst in jüngster 
Zeit, einen Saal freimachen können, in dem Textilia abwechselnd aus- 
zustellen sind. Dass dabei mit größter Vorsicht verfahren werden muss, 
versteht sich von selbst, und im Uebrigen dürfen wir uns wohl Bode's 
Meinung anschließen, dass schlimmsten Falls einige Schädigung durch Licht 
und Staubluft der ununterbrochenen Dunkelhaft vorzuziehen sei. Aus- 
genützt worden ist übrigens auch in den bisherigen Verhältnissen unsere 
reiche StoEsammlung recht reichlich durch Zeichner und Fabrikanten, 
nicht minder wissenschaftlich, wie die Publicationen bezeugen, zu denen 
sie den Professoren Karahaöek und Riegl Gelegenheit bot. 
Wenn dem Oesrerr. Museum überhaupt oft Schmeichelhaftes gesagt 
worden ist wegen seines guten, fruchtbaren Verhältnisses mit der heutigen 
Kunstindustrie, so darf als dessen Ursache die Befolgung des richtigen 
Grundsatzes angenommen werden: nicht als ästhetischer Schulmeister 
aufzutreten, sondern gemeinschaftlich zu lernen und sich gegenseitig 
zu belehren. Welche Beschäftigung sollte auch gründlicher davon über- 
zeugen, dass wLehrling sein soll Jedermannlu Damit haben wir uns das 
Vertrauen der Industrie erworben und erhalten. Bode wirft einmal die 
Bemerkung hin, dass die Vorstände der kunstgewerblicheu Museen in der 
Frage, was als Nachahmung oder freie Schöpfung anzufertigen sei, wden 
Schulen und ihren Lehrern-r zu viel Spielraum ließen. Das mag vor- 
kommen und unter Umständen vorn Uebel sein. Leider gehören, wie 
allbekannt, diejenigen Künstler, die der Kunstwissenschaft ihr Recht werden 
lassen, auch heutzutage noch zu den Ausnahmen. Die große Mehrzahl 
versteht unter diesem Worte die Tageskritik, und weil wdie Kunstschreiberu
	        

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