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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 5)

Materiale (Elfenbein, Schildpatt, Metall u. dgl.) nach bestimmten Zeich- 
nungen verziert wird. 
Hieraus schon geht hervor, dass zur eingelegten Holzarbeit nicht 
allein die Tarsia oder lntarsia, nämlich diejenige Einlegearbeit 
aus verschiedenen Holzarten, die uns besonders in Italien und Deutsch- 
land vom 14. bis zum 17. Jahrhundert begegnet, gehört, sondern dass 
sie auch die verschiedensten Arten des Holzmosaiks umfasst, und 
ebenso Arbeiten, die in das Gebiet der eigentlichen Incrustation ein- 
zureihen sind. Alle diese einzelnen Arten, so verschiedenartig auch ihre 
Technik ist, haben gemeinsame Berührungspunkte und gehen theilweise 
aus einander hervor oder in einander über. 
Die Kunst der eingelegten Arbeit im Allgemeinen ist eine uralte 
und lässt sich an Metallgegenständen bis in die graue Vorzeit verfolgen. 
Leider sind wir auf dem speciellen Gebiete des heutigen Vortrages 
nicht so glücklich, Gegenstände von so hohem Alter zu besitzen, wie sie 
in Metall bis auf unsere Zeit gekommen sind. Das lYlateriale, um das es 
sich hier handelt, ist eben ein leicht vergängliehes. Aber es darf wohl 
als sicher angenommen werden, dass die Holztechnik gleichen Schritt 
_hielt mit derjenigen in Metall, und dass daher auch die früheste Einlege- 
technik in Holz den Charakter der eingelegten Metallarbeiten aufwies, nämlich 
denjenigen der Incrustation im eigentlichen Sinne. Die ersten Anfänge waren 
vielleicht geritzte Arbeiten. Die Zeichnung sollte deutlicher hervortreten und 
wurde deshalb mit irgend einem Farbstoffe eingerieben. Später verstärkte 
man das geritzte Ornament an einzelnen Stellen, kratzte breitere Theile 
aus der Oberfläche des Gegenstandes heraus, so dass manche Partien der 
Zeichnung kräftiger zum Vorschein kamen. Diese ausgehobenen Stellen 
mögen fiiglich die glatte Oberfläche des decorirten Gegenstandes zu sehr 
beeinträchtigt haben und diese konnte man, wenn es sich um Gebrauchs- 
objecte handelte, nicht entbehren. So wird man darauf verfallen sein, die 
entstandenen Vertiefungen wieder auszufüllen, und das ist der Beginn 
der eigentlichen Incrustation. 
Von dem Einreiben der Zeichnung mit Farbstoff bis zum Ausfüllen 
derselben mit einer farbigen weichen Substanz, die allmälig erhärtet, und 
von diesem Stadium der Technik bis zum Einlegen eines fremden festen 
Materiales (wie z. B. Holz, Bein, Metall) in die vorher ausgehobenen 
Gruben, ist ja immer nur ein Schritt. Die Vorbilder in Metall mögen 
oft anregend gewirkt, mit der Vervollkommnung der Werkzeuge mag 
wohl auch die Entwicklung der Technik gleichen Schritt gehalten haben. 
lncrustationsarbeiten im engeren Sinne werden wir an einer spä- 
teren Stelle kaum mehr zur Besprechung bringen können; - so sei uns 
gestattet, hier gleich das einzuschalten, was als Einlegearbeit in Holz 
nicht außer Betracht gelassen werden darf. 
Wenden wir uns zunächst jener Metallincrustation zu, die auf 
Grundlage einer alten indischen Technik als T a r - k a s h i - Arbeit in
	        

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