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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 5)

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Cortina d'Ampezzo in Tirol durch den Lehrer der dortigen k. k. Fache 
schule für Holzbearbeitung, Joseph Lacedelli, eingeführt worden ist. 
Eine Erklärung des technischen Vorganges bei der Herstellung 
solcher Arbeiten lässt sich kurz geben. Die lineare Zeichnung wird mit 
entsprechenden Eisen auf dem zu decorirenden Holze vorgeschnitten. 
Die Metallstreifen, zumeist aus Messing, Kupfer und Zinn, welche als 
Einlage dienen, sind an einer Längsseite messerartig zugefeilt, werden 
mit kleinen Zangen der Zeichnung gemäß gebogenund dann in die Ein- 
schnitte eingehämmert. Die Ringelchen in verschiedener Größe, welche 
die Zeichnung aufweist, sind kleine Abschnitte von Metallröhren, die 
Punkte dagegen Drahtstückchen mit kreisrundem Querschnitt, die nägel- 
artig eingeschlagen werden. Die etwa verbleibenden Löcher der kleinen 
Röhren werden nachträglich mit Masse ausgefüllt. (Arbeiten aus Cortina 
im k. k. Technol. Gewerbemuseurn, indische Arbeiten im k. k. Oest. 
Handelsmuseum zu Wien; Abbildungen indischer Arbeiten in nTbe Journal 
of Indian Arte.) 
Auf demselben Arbeitsprincipe beruhen auch die heute schon sehr 
bekannten bosnischen Incrustationen (Lesepult in den Sammlungen des 
k. k. Oesterr. Museums, ferner südslavisches Essgeräth in Bucher und 
Gnauth, wDas Kunsthandwerku, Taf. 63), und das Gleiche gilt von den 
Arbeiten der Huzulen in Galizien. (Alte Huzulen-Arbeiten im k. k. Technol. 
Gewerbemuseum; moderne Arbeiten des huzulischen Künstlers Jurko 
Szkryblak in Jaworöw, abgebildet in den Publicalionen über ruthenische 
Hausindustrie des Lemberger Gewerbemuseums.) 
Da die sogenannte Zinn-lntarsia eine echte und rechte lncru- 
stationsarbeit ist, so muss dieselbe hier ebenfalls ihre Erwähnung finden. 
Mit erhaben geschnittenen, stark erhitzten Stempeln brannte man Ver- 
tiefungen in Holz und füllte dann die entstandenen Gruben mit einer 
leichtflüssigen Metallmischung, und zwar Zinn, Blei und Wismuth, aus. 
Man bediente sich hiezu eines heißen Kolbens, mit dem man dieselbe in 
die Vertiefungen strich. So entstand auf einfache Weise eine Metall- 
einlage, die nur den Nachtheil hatte, dass sie sich leicht vom Grunde 
ablüste und herausfiel. 
Fachlehrer Anton Henke in Villach hat nun dieses Verfahren neu 
aufgenommen und verbessert, indem er die Zeichnung nicht mehr ein- 
brennt sondern einschneidet, beziehungsweise aus dem massiven Holze 
heraushebt und zwar derart, dass die Vertiefungen sich nach unten er- 
weitern; hierdurch wird das Herausfallen der Einlage unmöglich gemacht. 
Diese Technik ist natürlich zeitraubender als die frühere, aber auch 
edler, für" Massenartikel nicht mehr geeignet. (Arbeiten mit Henkdscher 
Zinn-lncrustation in den Sammlungen des k. k. Technol. Gewerbe- 
museums.) 
Zu den alten oder gar ältesten Techniken gehört auch die vom 
Fachschuldirector Franz Oppelt in Hallein neu eingeführte lncrustations- 
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