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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 6)

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Bei dieser neuen Gattung lntarsia, die wir mit gutem Rechte auch 
ein Holzmosaik nennen können, werden nicht mehr wie früher Furnire 
ineinander gelegt, sondern Hölzer von oft bedeutender Dicke und, da 
stärkere Umrisslinien stören würden, darf der Schnitt nicht mehr senk- 
recht geschehen, sondern um so viel schräg zur vorderen Fläche, dass 
beim lneinanderstecken der Theile sich alle Fugen vollständig schließen. 
Die vordere Fläche wird nach erfolgtem Zusammensetzen, der geschnittenen 
Zeichnung entsprechend, sculpirt und dadurch eine farbige Plastik erzeugt, 
die nicht erst nachträglich polychromirt zu werden braucht, sondern aus 
durch_ und durch farbigen Hölzern besteht. (Moderne Muster, welche die 
Entstehung einer Reliefintarsiaplatte in deutlichster Weise zeigen, enthalten 
die Sammlungen des k. k. Technologischen Gewerbemuseums; alte Egerer 
Arbeiten die Sammlungen des k. k. Oesterr. Museums zu Wien.) An 
dieser Stelle müssen wir die Aufmerksamkeit aber auch noch auf jene 
chinesischen und japanischen Arbeiten lenken, die mehr oder minder 
zur Gattung der eingelegten Reliefarbeiten gehören und von denen eine 
ganze Reihe in den Sammlungen des k. k. Oesterr. Museums zu sehen ist. 
Diejenige Art der Decoration, welche wir am häufigsten an Barock- 
möbeln finden, nämlich das Ueberziehen der Füllungen und Friese mit 
Adern und Bändern, die sich theils gerad-, theils krummlinig kreuzen 
und verschlingen, zur einen Hälfte Mosaikarbeit darstellen, zur anderen 
gewöhnliche Adern- oder Filetarbeit - von der wir schon sprachen - 
bietet uns in technischer Hinsicht keine Neuerung. Sie muss aber hier 
doch mindestens erwähnt werden. (Beispiele in der Möbelsammlung des 
k. k. Oesterr. Museums.) Ebenso wollen wir nicht unerwähnt lassen, jene 
an die Mosaiktechnik erinnernde zusammengesetzte Holzarbeit, die wir 
zumeist an Billard-Queues finden. (Ein Tableau mit derartigen Arbeiten, 
das die Herstellungsweise erkennen lässt, in den Sammlungen des k. k. 
Technologischen Gewerbemuseums.) 
Wenn in Frankreich - wo man die lntarsia schon längst kannte, 
aber sich doch nur verhältnissmäßig wenig mit ihr beschäftigt hatte - 
am Beginne des 17. Jahrhunderts zunächst jene Decorationsweise ge- 
gepflegt wurde, welche wir bei den Holländern früher sahen, so mag 
dies darauf zurückzuführen sein, dass die Franzosen den Anstoß, sich 
intensiver mit farbiger eingelegter Holzarbeit -- bei ihnen: vMarque- 
terie de boisu genannt - zu befassen, von Holländern erhielten. Es 
ist bekannt, dass Colbert, der große Finanzminister Ludwigs des XIV., 
holländische Marqueteriearbeiter nach Paris an die Manufacture des 
Gobelins berief und außerdem arbeitete Jean Mace, der sich vorher 
längere Zeit in den Niederlanden aufgehalten haben soll, in einem könig- 
ilichen Etablissement. Mace war der Vorgänger des Vaters von Andre 
Charles Boulle, dem berühmten französischen Marqueteur Ludwigs 
des XlV., und es ist leicht erklärlich, dass die Arbeiten Boulle's aus seinen 
jüngeren Jahren (er lebte 1642-1732) im Wesentlichen sich an die her-
	        

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