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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 6)

einlagen der Italiener und Deutschen sehen können. Dass Boulle der 
Technik des Gravirens an seinen Arbeiten einen guten Theil einräumte, 
ist leicht erklärlich daraus, dass er neben allem Anderen auch ein her- 
vorragender Graveur war, der selbst für seinen König die Siegel 
stach. ' 
Das Poliren der Boulle-Arbeit geschieht nicht wie bei Holz mittelst 
gelösten Schellacks, also mittelst Politur, sondern der Glanz wird durch 
Schmirgeln und Schleifen der Flächen hervorgerufen. Nur den Glanz des 
Schildpatts sucht man häufig noch nachträglich durch das Auftragen farb- 
loser Politur zu erhöhen. ' 
Das Auswechseln von Grund und Ornament, das uns bei den Boulle- 
Einlagen neuerlich vor Augen tritt, und hier zur Regel wird, dürfte wohl 
kaum auf den Eindruck zurückzuführen sein, den solche Arbeiten hervor- 
bringen, sondern vielmehr Sparsamkeitsrücksichten entsprungen sein. Man 
würde ja nicht allein, wenn ein Auswechseln unmöglich wäre, die Hälfte 
des verwendeten Materiales, sondern auch noch die Hälfte des Zeitauf- 
wandes, den der Schnitt erforderte, verloren haben. Bei edleretu Materiale, 
bei Elfenbein und Schildkrot, war der Werth desselben keineswegs be- 
langlos. Es sei nur daran erinnert, dass man noch vor etwa 30 Jahren 
die Kaufsumme der Schildpatttafeln bestimmte, indem man dieselben auf 
die eine Waagschale legte, auf die andere aber Silbermünzen von be- 
stimmtem Feingehalte. Heute freilich ist Silber für solche Dinge kein 
Werthmesser mehr, denn es ist im Laufe der Zeit weitaus unterwerthig 
geworden. 
Nachdem wir durch die Boulle-Arbeiten wieder auf die Verwendung 
anderen Materiales als des Holzes zu Einlegearbeiten gekommen sind, so 
wollen wir hier, weil dies der geeignetste Ort scheint, jene orientalischen 
Arbeiten einreihen, die entweder Einlagen aus Perlmutter in Schild- 
krot oder auch Perlmutter in Holz mit Zinnconturen aufweisen. lhre 
Ornamentation ist charakteristisch, sie ist dem verwendeten Materiale ge- 
schickt angepasst, indem darauf Rücksicht genommen ist, dass in Perl- 
mutter stets nur verhältnissmäßig kleine ebene Stücke zur Verfügung 
stehen. Sie müssen aus den gekrümmten Muscheln geschnitten werden. 
(Siehe derartige Arbeiten in der Möbelsammlung des k. k. Oesterr. 
Museums. Hierher gehört auch die Cassette nBlätter für Kunstgewerbeu, 
Band V, Taf. 27.) 
Aber alle diese Arbeiten, sowie die späteren französischen Marque- 
terien, so hervorragend an sich sie auch seien, und dann endlich die 
Einlegearbeiten in allen anderen Ländern, weisen technisch nichts Neues 
auf, und sie_ lassen sich sammt und sonders in die früher erwähnten 
Kategorien einreihen. Wenn wir trotzdem hier noch Einiges erwähnen 
wollen, so geschieht es deshalb, weil die Meister, die zu nennen sind, ent- 
weder einen so hervorragenden Ruf als lntarsiatoren oder Marqueteure 
besaßen und noch besitzen, dass sie nicht vollständig übergangen
	        

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