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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 6)

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die eingelegten Fußböden im fürstlich Liechtenstein'schen Majoratsgebäude 
und im Palais Rothschild, welche die bekannte Firma Leistler herge- 
stellt hat. (Muster in den Sammlungen des k. k.Technol. Gewerbemuseums.) 
Unter den Franzosen oder vielmehr unter denjenigen Marqueteuren, 
die in Paris arbeiteten, ist zunächst ein Schüler des bekannten Boulle 
zu nennen: Johann Franz Öben, einer der berühmtesten Hofebenisten 
Ludwigs XV. 
Zu noch größerem Rufe brachte es aber Johann Heinrich Riesener, 
ein Rheinländer, der bei Oben - ebenfalls einem Ausländer - in der 
Lehre stand und hier Gelegenheit hatte, sich an den für den französischen 
Hof auszuführenden Werken zu bilden. (Siehe: A. de Champeaux, 
nLe meuble: II; vUart pour tousu; XVilliamson, nLe mobilier nationale.) 
Nach seines Meisters Tode erhielt er nicht allein den Titel: nEbeniste 
du Roiß, sondern er arbeitete auch thatsächlich zumeist für die könig- 
lichen Schlösser, für Fontainebleau, für Trianon und Compiegne. 
Wenn wir nun, fast an letzter Stelle, noch einer französischen Arbeit, 
d. h. der Arbeit eines unverfälschten Franzosen gedenken, so ge- 
schieht es nicht deshalb, weil sie bezüglich ihres künstlerischen oder 
technischen Werthes an diese Stelle gehören würde, sondern nur im 
'Hinblicke auf die Zeit ihrer Herstellung. Sie mag in den ersten Siebziger 
Jahren des vorigen Jahrhunderts entstanden sein und wurde von Pierre 
Denizot verfenigt. Diese Arbeit ist ein Schreibkästchen mit reichen, 
vorzüglich ausgeführten Einlagen aus farbigen Hölzern, die uns durch ihre 
Vasen, Bouquets und Blumengehänge an niederländische Arbeiten einer 
früheren Epoche erinnern, wenngleich sie dem Geschmacke ihrer Ent- 
stehungszeit (Uebergang von Louis XV. zu Louis XVI.) entsprechend, 
weitaus feiner und zierlicher erscheinen. 
Dieses Schreibkästchen stammt aus dem Besitze der unglücklichen 
Königin Marie Antoinette, welche es seinerzeit ihrer Schwester, der Erz- 
herzogin Maria Anna, als Geschenk von Paris zugesandt hat. Vor mehr 
als zehn Jahren war dasselbe hier im Oesterr. Museum ausgestellt, und ' 
Alle, die es sahen, waren entzückt über dies seltene Stück. Wir verdanken 
es dem liebenswürdigen Entgegenkommen des jetzigen Besitzers Herrn 
Baron Rdderich v. Walterskirchen, dass die Bibliothek des k. k. 
Oesterr. Museums unter ihren Handzeichnungen einige vorzügliche colorirte 
Aufnahmen der hier in Rede stehenden Meisterarbeit besitzt. lm Hinblicke 
auf die eingehende Beschreibung und kritische Beleuchtung des Schreib- 
kästchens, welche Dr. Alois Riegl in den Mittheilungen des Oesterr. 
Museums vom Jahre 1886 (Seite 75 ff.) gegeben hat, versagen wir uns 
hier eine weitere Besprechung desselben, da wir nur Wiederholungen 
bringen könnten. (Eine Abbildung des Schreibkästchens befindet sich im 
Kunstgewerbeblatt III, Nr. io.) 
Betrachten wir nun zum Schluss: noch einmal die alten lntarsia- 
arbeiten, so fällt uns bei allem Reichthum der Motive, bei aller Uebera 
Juhrg. 1897. 18
	        

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