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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 6)

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wendende Material. Der Grund zeigte zunächst einen gleichmäßigen Faser- 
lauf des benützten Holzes und das ist ja auch noch heute bei den mo- 
dernen Arbeiten der Fall. Während nun aber bei den letzteren zumeist 
auch die Einlage diese gleichmäßige Faserrichtung erkennen lässt, finden 
wir bei den alten Arbeiten in dieser Hinsicht die größte Abwechslung; 
denn der Künstler konnte bei jedem einzelnen Theil seiner Einlage ganz 
nach seinem Belieben verfahren. Solche Freiheit galt aber nicht allein 
bezüglich der Structur, sondern auch bezüglich der Farbe des Holzes. 
Es ist ja bekannt, dass die meisten Hölzer in natürlichem Zustande keine 
gleichmäßige Färbung aufweisen, gestreift oder gelleckt erscheinen und 
dass dies oft von der Art abhängt, wie sie durchschnitten worden sind. 
Diese Eigenschaft nützten die alten lntarsiatoren in geschicktester Weise 
aus, sie brachten durch Anwendung von mancherlei verschiedenfarbigen: 
Holze Leben in ihre Darstellungen. Jedes Blatt, jede Blüthe oder Blume 
erhielt eine besondere Bewegung. Sie wiesen jedem Stücke den Platz 
an, der ihm mit Rücksicht auf seine Eigenschaften zukam. Sie besaßen 
eben noch ein Gefühl für feine Eüfecte, und jedes ihrer Werke hatte ein 
individuelles Gepräge, während die modernen Arbeiten nur zu oft den 
Eindruck zurücklassen, den eine leblose Copie einer vielleicht sehr 
schönen Zeichnung hervorruft. Obwohl sie mit ganz anderen Behelfen 
arbeiten, könnten die lntarsiatoren auch heute noch die Wahl des Ma- 
teriales so treffen, wie es die alten gethan; aber dies setzt zunächst voraus, 
dass ihre Mühe, ihre zeitraubende Arbeit entsprechend entlohnt würden, 
und wenn dies der Fall wäre. dass sie sowohl wie der Besteller das 
nöthige Stilgefühl für derartige Feinheiten besitzen. Der technische 
Vorgang, der heute angewendet wird - wo es sich nicht etwa um 
Massenerzeugung handelt - steht dem keineswegs hinderlich entgegen. 
Wir sehen bei den alten Arbeiten zwischen Grund und Zeichnung 
zumeist kräftige Linien, Fugen, welche zufällig durch die Art der Arbeit, 
dadurch, dass die eingelegten Stücke nicht exact aneinander passten, 
entstanden und daher häufig nicht einmal gleichmäßig stark sind. Diese 
Fugen füllten sich beim Furniren zum Theile mit. Leim, zum Theile 
wurden sie nachträglich noch mit einem Gemisch von Leim und Holz- 
staub, auch wohl mit Beimengung von dunkleren Farbstotfen aus- 
geschmiert und bildeten hierdurch kräftige Umrisslinien. Diese heben zu- 
meist die Wirkung der Einlage und trennen dieselbe schärfer vom Grunde, 
ohne dass es nothwendig ist, die Farbtöne von Grund und Einlage be- 
deutend contrastiren zu lassen. Heute verlangt man gewöhnlich ein ge- 
naues und scharfes Passen der Einlage, die technischen Mittel zur Her- 
stellung der lntarsien gestatten dies vollständig, und zwar in der Weise, 
dass man glauben könnte, nicht eingelegtes Holz, sondern ineinander 
gepresste Masse vor sich zu haben. Exact sind diese Arbeiten; jedoch 
der künstlerische Reiz, der frische Zug der alten Erzeugnisse mit ihren 
Zufälligkeiten fehlt ihnen bereits durchgehends.
	        

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