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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 8)

entschädigt uns lttr das Widerspruchavolle der Behauptungen. Wird auf solche Art das 
Lob oft zu gleichmäßig rertheilt, so kommen andererseits manche Künstler, deren 
Eigenart dem Verfasser ferne steht, nicht zu ihrem vollen Rechte. So z. B. Walter 
Crane, Caldecott und die ganze Birmingham-Schule. - Mit vielem Verständniss und 
sichtlicher Freude behandelt er technische Fragen, wodurch das Buch namentlich für 
studirende Fachgenossen instrucliv wird. Ganz besonders muss aber die große Sorgfalt 
hervorgehoben werden, mit der er aus dem ihm vorliegenden lllustrationsmaterial das 
Vorzüglichste und Charakteristischeste ausgewählt. ln dieser Hinsicht bewahrt sich die 
eigene Künstlerschaft des Autors auf das beste und wird um so werthvoller, als von 
dem einzelnen Meister selten mehr als zwei bis drei lllustrationsproben gegeben 
werden konnten, obwohl das Buch im Ganzen nicht weniger als 366 Illustrationen auf- 
weist. Der Text umfasst nach einer kurzen Rückschau auf das I6. Jahrhundert in 
raschem Ueberblick das moderne lllustrationswesen der Franzosen, Deutschen, Dänen, 
Norweger und Amerikaner, um zum Schluss: in ausführlicher Weise das der Engländer 
zu schildern. Letztere nehmen fast den dritten Theil des mächtigen Bandes für sich 
in Anspruch. Der Zusammenhang der englischen lllustrationskunst mit der der ge- 
nannten Nationen', namentlich der deutschen und französischen, wird mit genugendem 
Nachdruck betont. Selbstverständlich wird aber das sehr bedeutende eigene Verdienst 
der Engländer an ihrer Kunst in helles Licht gesetzt. Wenn Pennell auf den Einliuss 
Menzels und Meissoniers verweist, so unterlässt er es anderseits nicht, Sandys, Rossctti 
und Madox Brown als die mächtigen Pfeiler modernen englischen Kunstlebens zu be- 
zeichnen. Das Hauptverdienst - und die dazu erforderliche Kenntniss, Umsicht, Aus- 
dauer und Geduld ist angesichts eines ersten Versuches dieser Art sicher nicht gering 
anzuschlagen, - bleibt aber die Sammlung charakteristischer Reproductionen von Feder- 
zeichnungen, die uns eine bessere Uebersicht und einen klareren Begriff vom gegen- 
wartigen Stande des lllustrationswesens übermitteln als noch so systematisch angeordnete 
und wohldurchdachte litterarische Ausführungen es vermochten. Für solche scheint 
thatsachlich die Zeit noch nicht gekommen, und dass wir dies nur als ein gutes Zeichen 
deuten, darauf haben wir eingangs hingewiesen. Fs. 
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English pen artists of to-day. Examples of tbeir work with some criti- 
cisms and appreciations by Charles G. Harper. London, Percival 
and Co., 1892. '40. XXll, 300 S. M. 75'60. 
J. Pcnnell und Ch. Harper haben sich fast gleichzeitig der schwierigen Aufgabe 
unterzogen, dem modernen englischen lllustratinnswesen litterarisch näher zu treten. Die 
Arbeiten sind nichtsdestoweniger ganz unabhängig von einander entstanden. Obwohl nun 
Jeder seine eigenen Wege ging, sind die beiden Bücher einander dennoch sehr ähnlich. 
Keinen von beiden hat die Lust angewandelr, sein Thema historisch zu behandeln, keiner 
wollte es auch nur von hoheren zusammenfassenderen Gesichtspunkten aus betrachten, 
ja selbst der Mühe, oricntirende biographische Daten beizubringen, hat sich jeder ent- 
zogen. Da indess ihr Gebiet litterarisch noch so wenig ausgebeutet ist, bieten trotzdem 
beide eine Menge des interessanten, Wertbvollen und Belehrenden. 
Harpefs Werk erstreckt sich nicht wie das Pennell's über das gestimmte moderne 
lllustrationswesen, sondern behandelt nur England. Dieses aber dafür ausführlicher und 
etwas systematischer als Pennell. Harper unterscheidet im Wesentlichen zwischen decora- 
tiver und realistischer Kunst, von der Anschauung ausgehend, dass in diesem Punkte 
sich gegenwärtig eine Scheidung vollzieht, die zu einer völligen Trennung führen muss. 
Aesthetiker und Kunsthistoriker, meint er, werden von nun an mit dieser Thatsache zu 
rechnen haben. Die Zeit einer einheitlichen Kunst sei vorbei. Wir können ihm hierin 
nicht beipflichten, denn einerseits hat es stets zwei Richtungen gegeben, - man denke 
nur an die attische und peloponnesiscbe Kunst der Antike, - ohne dass eine solche 
Trennung erfolgt wäre, andererseits dürfte es selbst bei noch so scharfer Ausbildung der 
gegensätzlichen Auffassungen kaum möglich sein, eine deutlich erkennbare Grenzlinie zu 
ziehen, die ja die Voraussetzung einer factischen Trennung sein müsste. Allerdings finden 
wir die Künstler in zwei getrennten Lagern, aber dass nicht nur einzelne Künstler, 
sondern ganze Gruppen von Künstlern sich heute mehr wie jemals specialisiren, und 
die einander näher stehenden Gruppen sich fester aneinander schließen, während 
ferner stehende kaum Süchtige Berührungspunkte mit jenen aufweisen, kann doch das 
einheitliche Wesen der gesarnmten Kunst nicht erschüttern! - lm Uebrigen sind seine 
Ausführungen ungleich klarer, sachlicher und gchaltvoller als die Pennell's. Seine Kritik 
ist in jedem einzelnen Falle in hohem Grade zutreüend, und seine weitaus größere 
litterarische Gewandtheit setzt ihn in den Stand, trotz der bei jedem einzelnen Meister 
sich wiederholenden Form einer asthetitirenden Besprechung, namentlich durch Herbei- 
ziehung interessanter Details, stets von Neuem zu fesseln. Die Zahl der herangezogenen
	        

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