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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 8)

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nehmen, dass die so reichen Flächenmuster mit so unglaublich wenigen 
Mitteln erzielt sind. Zu einem anscheinend sehr complicirten, wirk- 
samen endlosen Muster reicht schon eine einzige Type aus; mit zwei 
bis drei Typen wird schon eine verwirrende Fülle von Formen erzielt. 
Starkes, mitunter das Gebäude erschütterndes Pochen lenkt die 
Aufmerksamkeit auf die Vorgänge, die sich im anstoßenden Raume ab- 
spielen. Durch Dampfkraft werden in Gesenken aus Gußstahl Rosetten, 
Blätter, Füllungen und andere reliefirte Dinge geschlagen, Profile aller 
Art hergestellt, kurz aus dem Eisenblech alle jene derartigen Stücke 
erzeugt, die man in größerer Anzahl benöthigt und die nur in ganz 
congruenten Exemplaren verwendet werden sollen. Unermüdlich hebt 
und senkt sich der Dampfhammer, um auf diese Weise mechanisch und 
rasch zu vervielfältigen, was von Künstlerhand vorbereitet der Aus- 
führung harrt. 
Ist hier die oscillirende Bewegung des durch seine Krafräußerung 
wirkenden Theiles der Maschine durchaus bedingt, so kommt dort, wo 
auf der Druckbank gearbeitet wird, das Princip der rotirenden Be- 
wegung zur Geltung. Vasen, Schüsseln, Theile von Docken oder 
Balustern, Sockeln, Candelabern u. dgl, kurzum Alles, was die Mantel- 
Häche von Rotationskörpern zeigt, wird mit Zuhilfenahme der sinn- 
reichen, erst der neueren Technologie angehörigen Vorrichtung erzeugt, 
die als eine Combination von Presse und Drechselbank bezeichnet 
werden kann. Die zu verarbeitende Blechscheibe dreht sich wie ein 
Rad um ihren Mittelpunkt, während gewisse Instrumente mit glatter 
Oberfläche sie drückend und dehnend, stauchend und biegend bear- 
beiten, so lange bis ein als Führung dienendes hölzernes Modell 
von dem Metalle wie mit einem eng anliegenden Kleide bedeckt ist. 
Wir sehen das Modell, diesen, wie gesagt, nun fast ganz mit Eisenblech 
überzogenen Holzkern von der Druckbank nehmen und freuen uns über 
eine sinnreiche Mechanik, die es erlaubt, das hölzerne Modell stückweise 
aus der metallenen Hülle zu ziehen, um es zusammengesetzt später 
neuerdings zu verwenden. Doch auch durch Feuer zerstört werden 
solche I-Iolzkerne, sobald das Metall über ihre Oberfläche gedrückt ist. 
Es sind dies solche von einfacher Form und kleinem Umfang, aus einem 
einzigen Stück I-Iolz verfertigt. 
Auf der Druckbank können mit Vortheil auch solche Gegenstände 
hergestellt werden, die später durch Hämmern und Treiben ihre Voll- 
endung erhalten. _ 
Einigen Räumen schenken die Besucher nur flüchtige Aufmerk- 
samkeit, da in ihnen nur einige wenig Interesse bietende, wenngleich 
unerlässliche Manipulationen vorgenommen werden: das Abscheuern und 
Abbeizen der aus Eisen hergestellten Gegenstände, ferner das Trocknen 
und das Anwärmen, bevor das Auftragen der bei jedem Stücke uner- 
lässlichen Schichte besonders zubereiteten, farblosen und durchsichtigen
	        

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