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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 11)

gethan hätt" und die Sache selbst unter Händen genommen, 
wäre mir die Sache noch schwerer geworden und hätte sich länger ver- 
zogen. Zeige ich Euerer Majestät darum an, dass dieselbe von der Ur- 
sache des Verzuges und von Albrechten Dürer emsigem Fleiß Wissen 
habenm Auch in der Antwort des Kaisers heißt es ausdrücklich, dass 
Pirkheimer den Triumphwagen durch Albrecht Dürer zeichnen ließ und 
diese Antwort des Kaisers hat Dürer, als er den Triumphwagen in Holz- 
schnitten herausgab, seinem vollen Inhalte nach dem Texte beigesetzt und 
sich hiemit selbst als Urheber der Aquarelle von 1518 bezeichnet. Hiezu 
kommt, dass Pirkheimer, der sich durch den Triumphwagen die beson- 
dere Gnade des Kaisers zu erringen holfte und selbst dessen Anfertigung 
überwachte, seinen Freund Dürer, wenn dies überhaupt nöthig gewesen 
wäre, zur eigenhändigen Arbeit sicherlich aufgefordert hätte. 
Aber viel deutlicher als Urkunden und psychologische Erwägungen 
spricht das Werk. Die Ausschmückung des Wagens - man beachte die 
Löwen, die Adler, die Greifen - der Kaiser, Maria von Burgund, 
Margarethe, Philipp der Schöne und Johanns die Wahnsinnige, die 
Allegorien der Securitas und Fidentia sind sicher Dürer's Arbeit, die 
sechs Enkel, die vier Cardinaltugenden und Victoria, insbesondere das 
kleinliche Wagendach weisen auf Mitwirkung von Gehilfenhänden hin, 
wobei stets betont werden muss, dass diese Mitwirkung sich nur auf die 
Ausführung beziehen kann, der große, freie Entwurf der Contouren 
stammt von einer, von Dl.'1rer's, Hand. Zweifellos eigenhändig sind wieder 
die auf den drei übrigen Aquarellen dargestellten sechs Pferdepaare der 
Bespannung und der sie führenden zwölf Tugenden. Nur die stumpfen 
Lorbeerkränze der Tugenden und der Pferde mögen, sowie die gerade 
und straE laufenden Leitseile von Schülerhand sein, wobei man sich er- 
innert, dass Dürer in der nLaurea des Kaisersu (Berlin) die stumpfen 
Lorbeerblätter Hans Kulmbachs speciell verbessert bat. Für Dürer's 
eigenhändige Arbeit an den drei Aquarellen der Bespannung gibt es einen 
schlagenden Beweis. Die zwölf Tugenden, die die Pferde der Bespannung 
führen, sowie die zwölf Pferde sind, von ganz geringfügigen noch zu be- 
sprechenden Verbesserungen abgesehen, mit sclavischer Treue, Zug für 
Zug im Holzschnittwerke des Triumphwagens vom Jahre 15z2f23 in der- 
selben Größe wiedergegeben. Diese acht Holzschnitte galten seit jeher 
und gelten noch heute als eines der Meisterwerke Dürer's. Bartsch und 
andere nach ihm haben behauptet, dass Dürer die Zeichnungen hiezu 
selbst auf den Holzstöcken aufgetragen habe. Nimmt man an, dass die 
Aquarelle vom Jahre 1518 von Gehilfen oder Schülern herrühren, so 
kommt man zu dem widersinnigen Schlusse, dass Dürer in einem Werke, 
das unbestritten als eine seiner höchsten Leistungen gilt, sclavisch seine 
eigenen Gehilfen und Schüler copirt habe. 
Thausing hat den großen Einfluss Mantegna's auf Dürer, dessen 
Kupferstiche dieser in Handzeichnungen copirt (Zweikampf der Tritonen
	        

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