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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 11)

selben Munde den in sich widerspruchsvollen Vorwurf zu hören be- 
kommen, dass sie Akademie spielen, dass sie andererseits aber auch viel 
zu gewerblich seien. Diese Meinung wird nie verschwinden, sie liegt in der 
natürlichen und nothwendigen Zwitterstellung der Kunstgewerbeschulen; 
welcher Einsichtige wollte aber hier tadeln, was doch sonst als die Summe 
aller Weisheit erklärt wird: zwei Eisen im Feuer zu haben. Dazu kommt, 
dass wir einen principiellen Unterschied zwischen hoher Kunst und Kunst- 
gewerbe nicht zugestehen können und dass die künstlerische Ausbildung 
an den Kunstgewerbeschulen genau denselben Weg gehen muss, wie an 
den Akademien. Man darf sich daher nicht verwundern, wenn man auch 
an unserer Schule, vornehmlich an den Fachschulen für Malerei, Aufgaben 
gestellt sieht, wie sie an Akademien auch nicht anders gefordert werden 
können. Wenn diesen Ahtheilungen als Gebiet ihrer Thätigkeit mit Vor- 
bedacht durch das Schulstatut vorgezeichnet ist: v-Die Anwendung der 
menschlichen Figur, des Thieres, der Pflanze und des Ornamente: im 
Kunstgewerbe für kirchliche und profane Gegenstände, die künstlerische 
Ausstattung typographischer Werke, das Gesammtgebiet der decorativen 
Malerei zu Zwecken der Ausschmückung einzelner Theile oder ganzer 
Innenräume und Fagadenu, so liegt darin doch wohl Zugeständniss und 
Aufforderung, alle Zweige der Malerei zu pflegen, ohne ängstlich zu er- 
wägen, ob es einen Unterschied zwischen nhoherß und vniedereru Kunst 
gibt oder nicht. Es wird daher, wenn man der Schule die Erfüllung ihrer 
statutengeinäßen Pflichten nicht erschweren, ihr nicht unmöglich machen 
will, die Voraussetzungen zu schaffen für die Entwicklung der decorativen 
Malerei, nicht gehindert werden dürfen, dass die Schüler neben gründ- 
lichen Actstudien, neben der Pßege des Porträts sich in großen male- 
rischen Compositionen versuchen, die bis in alle Details auszuführen 
sind. Allerdings sollen es immer Arbeiten sein, denen die Beziehung zur 
decorativen Malerei nicht fehlt; Stalfeleibilder wären wohl ganz zu ver- 
meiden. Dass unsere Malerschulen allen vernünftigen, modernen Bestre- 
bungen, die malerische Technik auszubilden, zugänglich sind, sah man 
wieder auf's Neue. Von Absurditäten, von deren Vorhandensein selbst über- 
zeugte Freunde der Secession unsere heutige Production nicht frei sprechen 
können, wird in einer Schule selbstverständlich nie ausgegangen werden 
dürfen. Andererseits wird man es aber immer mit Freude zu begrüssen 
haben, wenn gerade hier der Cultus der wbraunen Sauce- weniger ge- 
pflegt wird, und alles Lichte, Helle, Natürliche breiteren Raum einnimmt. 
Zu wenig gepflegt wird noch eine Technik, welche für die Aufgaben 
der decorativen Malerei so besonders geeignet ist, die Tempera. Darauf 
wäre wohl besonderes Augenmerk zu richten. Die Zahl der Talente, 
welche uns in den Schulen Karger, Matsch und Ribarz neuerlich be- 
gegnete, ist erstaunlich groß, und man sah es allen Leistungen an, mit 
welch verständiger, aufopfernder Hingebung sich die genannten Lehrer 
ihrer Aufgabe widmen. Neben den Malerschulen sind es natürlich die
	        

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