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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 11)

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Bildhauerclassen, welche sich auf akademischem Boden bewegen und 
bewegen müssen. Hier wie dort sind die Voraussetzungen des Atelier- 
unterrichtes nahezu dieselben. Professor König, selbst ein so hervor- 
ragender Meister der decorativen Plastik, hat es aber stets verstanden, 
seine Schüler so zu führen, dass sie Anforderungen der Kleinkunst, die 
bei uns seitens der Industrie leider nur in gar so geringer Zahl gestellt 
werden, vollkommen zu genügen vermögen. Der idealistische Schwung, der 
alle Werke König's auszeichnet, tritt uns auch in allen Leistungen seiner 
Jünger entgegen, aber mehr noch als sonst konnte man diesmal bei einer 
ganzen Reihe von Compositionen und Naturstudien einer frischen, lebendigen 
Naturauffassung begegnen, durch welche der persönliche Charakter der 
jungen, kräftigen Talente sich offenbart. Lehrer Breitner, welcher seit zwei 
Jahren die Abtheilung des unvergessenen Kühne leitet, hat die Erwartungen, 
die man auf ihn, einen der besten Schüler König's und Kühne's setzte, 
nach jeder Richtung gerechtfertigt, und besonders zu begrüssen ist, dass 
er das Ornamentale neben dem Figuralen mit reifem Verständnisse und 
in richtiger Erfassung der unserer Schule gesteckten Ziele zu pflegen 
sich bemüht. Das Specialatelier für Holzschnitzerei geht ruhig und sicher 
den Weg, den Prof. Klotz ihm gewiesen hat. Unverständige mögen finden, 
dass die Ausstellungen dieses Ateliers sich allzusehr gleichen. Das liegt 
aber in der Sache, in Technik, Material und in ihrem Anwendungsgebiet. 
Innerhalb dieses Rahmens ist Raum genug zu freier, künstlerischer Ge- 
staltung, und wie immer, trat auch dieses Mal eine Schaar ausgezeichneter 
Kräfte auf den Plan. Die Ueberwindung der technischen Schwierigkeiten 
ist geradezu bewunderungswürdig, Figur und Ornament werden auf's TreB- 
lichste beherrscht, das Copiren guter Vorbilder wird hier ebenso strenge 
gepflegt, als der Versuch im Componiren, und was von jeher als Vorzug 
dieser Schule und hohes Verdienst ihres Leiters anerkannt wurde: die 
farbige Behandlung ist edel, discret und äusserst wirksam. In der Ab- 
theilung für Ciselirkunst und verwandte Fächer (Prof. Schwzrtz) Helen 
einige treüliche Cornpositionen für Herrn v. Dumba und die für das 
Unterrichtsministerium hergestellte Copie des Donncr'schen Crucilixes der 
Hofburgcapelle auf. Als ein sehr glücklicher Gedanke muss es bezeichnet 
werden, dass Prof. Schwartz seine Schüler anhält, gute Vorbilder nach- 
zuahmen und zu einer Copie ein entsprechendes Gegenstück zu com- 
poniren. Die Holte, moderne und dabei doch classische Richtung, welche 
in der Kleinplastik aller Materialien gegenwärtig von Franzosen und 
Belgiern mit so außerordentlichem Geschick gepflegt wird, ist dem Leiter 
unserer Ciselirschule wohl bekannt und es wird dieser Abtheilung nicht 
schwer fallen, das österreichische Talent auch diese Wege zu führen. 
Die graphischen Künste werden, nach dem Ausscheiden Unger's aus der 
Schule, von Prof. Hecht allein gepflegt; dem Lehrplane seiner Schule 
gemäß beschränkt sich diese PBege auf den Holzschnitt. Aber wie beim 
Holzschneider Hecht immer der Radirer und Stecher hervortritr, so sind 
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