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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 12)

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Mit den Sammlungen, einem der wichtigsten Behelfe des Museums 
für die Erreichung seiner Ziele beginnend, soll an dem Grundsatz fest- 
gehalten werden, dass bei Erwerbungen weitmehr der Werlh des Objectes 
als Vorbild für das Kunstgewerbe mit Rücksicht auf Form und Technik 
und als geschmackbildender Gegenstand, als sein Werth im Hinblick auf 
Seltenheit oder Kostbarkeit in Betracht komme. 
Alle Aufmerksamkeit wird man der Schaffung culturhistorischer 
Ensembles zuwenden, wie solche von Director R. v. Eitelberger durch 
die Herstellung des orientalischen Raumes im Museum begonnen wurde. 
Man wird damit dem Besucher dasjenige bieten, was ihn in der Regel 
von vorneherein am meisten anzieht, aber auch das, was ihm die will- 
kommenste allgemeine Vorbildung für das Studium des Details gibt. 
Es wird den Gegenstand sorgsamer Erwägung bilden, in wie weit 
die Mittel der Anstalt dazu ausreichen, diese culturhistorischen Ensembles 
aufzustellen, ohne eine allzu empfindliche Schädigung jenes Theiles der 
Sammlungen herbeizuführen, deren Anordnung wenigstens vorläulig noch 
die technologisch-historische bleiben muss. 
Vor Allem aber wird eine instructive Aufstellung der Sammlungen 
in allen ihren Theilen durchzuführen sein, und wird man hier durch 
temporäres Ausscheiden zahlreicher Objecte angesichts des sehr fühlbaren 
und die Thätigkeit des Museums geradezu hemmenden Raummangels 
Platz scharfen und andererseits eine rationelle Classilication und Etiquettirung 
der Obiecte durchführen müssen. 
Ich bin heute noch nicht in der Lage, all" der Richtungen zu gev 
denken, in welchen eine Ergänzung der Sammlungen ganz besonders zu 
bewerkstelligen sein wird, möchte aber doch gleich auf die Nothwendigkeit 
weiterer Erwerbungen von mustergiltigen alten Möbeln hinweisen. 
Leichter als manch" anderer Zweig des Kunsthandwerks wird unsere 
Möbelerzeugung den Anregungen durch gute Vorbilder Folge geben, wie 
denn auch meiner Meinung nach auf diesem Gebiete behufs Hebung des 
Geschmacks der breiten Schichten der Bevölkerung der Hebel angesetzt 
werden muss. 
Da die Gelegenheiten für die Erwerbung guter alter Möbel sich stets 
ungünstiger gestalten, wird man auch theilweise auf die Herstellung guter 
Copien von mustergiltigen alten Originalen Bedacht nehmen. Zu diesem 
Zwecke soll mit Genehmigung des hohen Obersthofmeisteramtes ein größerer 
Theil des Hoftiteltaxfondes verwendet und so dem heimischen Kunst- 
gewerbe Gelegenheit zur Ausführung lehrreicher und hervorragender 
Arbeiten gegeben werden. 
Bei der Wahl dieser Objecte möchte ich nicht allein Prunkstücke 
gelten lassen, sondern auch häufig edler Einfachheit in Form und An- 
ordnung und vollkommener Präcision in der Ausführung den Vorzug geben. 
Neben dem kunsthistorischen und technologischen Gesichtspunkte 
soll bei den Erwerbungen auch das Interesse an der Erhaltung heimischerKein Volltext zu diesem Bild verfügbar.
	        
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