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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 12)

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und er besaß eine außerordentliche Adaptionsgabe, zahe eindringliche Beredtsamkeit 
in Schrift und Wort, und das sehätzenswerthe Vermügen, oft wiederholte Dinge mit 
immer neuer Frische und Ursprünglichkeit noch einmal zu sagen. Dr. Leisching besprach 
hierauf Falke's Verkehr mit den Mitarbeitern im Hause, sein Wohlwollen, seine Nach- 
sicht, seine Freude an Arbeiten und Erfolgen der jüngeren Collegen, und schilderte auf 
Grund eigener Erlebnisse Falke's Ablehnung gegen alles Theoretisiren und sein feines 
Gefühl für Einwirkung auf's praktische Leben. lhm war die Aeathetik nicht nur Schauen 
und Reliectiren, sondern Können und Wirken. Aus dieser Grundstimmung und End- 
absicht entstanden seine besten und am meisten gelesenen Arbeiten: nDie Kunst im 
Hauses und die nAesthetik des Kunstgewerbesn Aus diesem Gesichtspunkte ist auch seine 
Thätigkeit als Hüter und Mehrer der Museums-Sammlungen, wie als Vortragender, und 
sein Verhaltniss zur Kunstgewerbeschule und zur Kunstindustrie zu betrachten. Dr. Lei- 
sching verwies darauf, dass Falke allerdings der italienischen Renaissance besonders 
zugethan war, aber offenen Sinn und volle Objectivität auch allen anderen Kunstepochen 
gegenüber bewahrte. Auch sein Verhältniss zum Japonismus war durchaus nicht so ab- 
lehnend, als man oft behauptet hat. Seine vorurtheilsfreie, streng historische und nur 
von praktisch-asthetischen Erwägungen getragene Amtsführung als Director beweisen 
seine Ankäufe für die Sammlungen und die vielen von ihm veranstalteten trelflichen 
Specialausstellungen, deren Kataloge er mit ausgezeichneten populären Einleitungen zu 
bereichern verstand. ' 
Der Vortragende sprach sodann über Falke's Austritt aus dem Hause und schloss 
mit folgenden Worten: wkasch trat der Tod ihn an. Ein freundliches Schicksal hat ihm 
auch in der letzten Stunde den Kampf erspart, wie ihm überhaupt stets Alles glatt, 
leicht und glücklich gediehen war. Auf dem schonen Friedhofe von Lovrana liegt er 
begraben. Wir empfingen die Nachricht, die uns Alle tief erschütterte, als ihn schon die 
Erde deckte. Das letzte Geleite konnten wir ihm nicht geben, keine Blumen auf seinen 
Sarg streuen, kein Wort der Dankbarkeit, Achtung und Liebe ihm in's Grab nachrufen. 
Doch die Blumen wären heute verdorrt und das Wort wäre verklungen. Aber lebendig 
ist und wird bleiben in uns die Erinnerung an ihn als einen Pfadweiser für die Einen, 
als einen Mitarbeiter für die Anderen, als einen guten, ehrlichen, wohlwollenden Freund 
für Alle, die ihm nahe standen. Das Denkmal, das er sich selbst errichtet, wird mit 
Achtung und Dankbarkeit begrüßt werden zu allen Zeitenu 
- Am I8. November hielt Professor E. Guglia einen Vortrag über das heutige 
Rom. Er schilderte die drei raumlich scharf getrennten und in ihrem Wesen so ver- 
schiedenen Stadtgebiete: Das moderne, das papstlich-mittelalterliche und das antike Rom. 
und suchte dann die Gründe über die Enttäuschung darzulegen, die der Fremde bei kür- 
zerem Aufenthalt und_ mangelhafter Vorbereitung hier unausbleiblich erfährt, indem er 
an das Wort Goethe's erinnert: Rom sei ein Ungethüm und es kennen lernen mehr 
Trauer als Freude, mehr Anstrengung als Genuss. Das gelte heute noch in hoherem 
Maße als zu Goethe's Zeit, da Rom durch die starke Entwicklung des modernen Theiles 
noch viel complicirier geworden sei. Auch sei es keinem von den modernen Schilderern 
Roms gelungen, das vielgestaltige Wesen erschopfend darzustellen. Zola's Beschreibung, 
deren Originalität man übrigens bekanntlich stark bezweifelt hat, leide an einer starken 
Einseitigkeit. Wenn Ranke von Herodot gesagt hat, er hasse die Barbaren nicht, wie 
hatte er sie sonst schildern können, so dürfte man vielleicht von Zola sagen: Er liebte 
Rom nicht, wie konnte er es da schildern! 
- Am z. December hielt Galeriedirector Dr. Theodor v. Frimmel einen Vortrag: 
-Aus der Geschichte der Wiener Gemäldesammlungenu. Der Vortragende wies zunächst 
auf die Noihwendigkeit hin, dem übergroßen Material gegenüber eine nur kleine Aus- 
wahl von Mittheilungen für den Vortrag zu treffen. Er suchte einige allgemeine Ge- 
sichtspunkte auf, von denen aus sich die Wiener Galerien von einst und jetzt gruppen- 
weise überblicken lassen. Der eine dieser Gesichtspunkte gewährte einen _Ueberblick 
über die jeweilig zu gleicher Zeit in Wien vorhandenen Galerien. Es wurden Listen 
für verschiedene Zeitpunkte zusammengestellt. Sogleich in der ältesten Liste brachte 
Fr. Mitiheilungen über eine alte Wiener Galerie, welche in diesem Zusammenhange 
bisher überhaupt noch gar nicht genannt worden ist, und zwar über die Galerie Wen- 
zelsberg, die um 1664 in Wien existirt hat und aus welcher Frimmel neuestens einen 
noch erhaltenen Bestandtheil mit großer Wahrscheinlichkeit nachweisen konnte, nämlich 
ein Bild von Simon de Vlieger (Christus und die Jünger im Seesturm), das sich seit dem 
I3. Jahrhundert in der Sammlung des Stiftes Melk befindet. Auch in den Listen des 
I5. Jahrhunderts nannte Fr. mehrere bisher gänzlich unbekannte Namen von Wiener 
Galeriebesitzern. 
Ein zweiter Standpunkt eröffnete den Ausblick auf die Zusammensetzung der 
Wiener Galerien. Der Vortragende gab allgemeine Erörterungen und einzelne Bei- 
spiele. Unter den letzteren wollen wir besonders die vollkommen neuen Mittheilungen 
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