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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 12)

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uber die Galerie N. F. J. d'Angoisse hervorheben, aus denen man entnahm, dass zwei 
allbekannte Bilder der Berliner Galerie, die vor wenigen Jahren in Paris erworbene 
Madonna des Lucas von Leyden und Altdorfefs heilige Familie am Brunnen vor 1825 
Bestandtheile der Wiener Galerie Angoisse waren. Auch jener Hans Baldung mit den 
sieben Lebensaltern des Weibea, der vor Jahren ein auffallender Bestandtheil der fürstlich 
LiechtensteiNschen Galerie gewesen ist und jetzt dem Kunsthistoriker Dr. Fritz Harck 
gehört, war ehedem bei Angoisse in Wien. Herr von Angoisse selbst ist dargestellt 
auf einem Rundbildchen von W. A. Rieder aus dern Jahre i8zt. Das nette kleine Ge- 
mälde befindet sich gegenwärtig im Museum der Stadt Wien, wohin es aus der Samm- 
lung Jean Krämer gelangt ist. Es galt bisher als Bildniss des Dr. Hussian. Frimmel 
wies nach, dass hier nicht Hussian, sondern Herr von Angoisse abgebildet ist. Denn im 
Hiniergrunde ist jene Madonna des Lucas von Leyden dargestellt, die 1825 im Katalog 
d'Angoisse in höchst eingehender Weise beschrieben ist. Zudem ist der im Jahre t82t 
portrsiirte Herr zu alt, um mit Dr. Hussian identisch sein zu können. Weiterhin be- 
rührte der Vortragende die Herkunft der Schachpartie des Lucas von Leyden in Berlin 
aus der Wiener Schatzkammer. womit ebenfalls ein neuer Nachweis gegeben ist. 
Von einem dritten Gesichtspunkte aus wurde nunmehr der Wiener Gemaldehandel 
betrachtet. Wien sei, wie Fr. bemerkte, in Bezug auf den Handel mit Bildern sehr spat 
daran; indess ist der allgemeine Name nKunsthandlern hier doch schon [in der zweiten 
l-lalfte des iS. Jahrhunderts bekannt. Aber erst das to. Jahrhundert sieht einen wirk- 
lichen Gemaldehandcl in Wien entstehen. Die wichtigsten Namen des Wiener Bilder- 
handels werden genannt, wie denn auch die gemttthliche Art des Gemaldesammelns in 
Alt-Wien Erwahnung findet. Einen modernen Zuschnitt erhielt die Gemaldebewegung 
in Wien erst durch Georg Plach, dessen Lebensgang der Vortragende in knapper Weise 
skizzirte. 
Der letzte Gesichtspunkt gewahrte einen allgemein gehaltenen Einblick in das 
Wiener Ausstellungswesen. Die akademischen Ausstellungen seit 1786 wurden genannt; 
ein Seitenblick galt dem Muller-Deymkchen Gebäude, wo um 1812 gelegentlich Bilder 
ausgestellt wurden. Der alte wVerein zur Beförderung der bildenden Künsten und der 
österreichische Kunstverein, sowie die Ausstellungen im Künstlerhaus: und die bei den 
Wiener Kunsthlndlern wurden in Kurze besprochen. Frla Vortrag wurde von den zalil- 
reich erschienenen Kunstfreunden beifällig aufgenommen. 
Besuch des Museums. Die Sammlungen des Museums wurden im Monat 
November von 9606, die Bibliothek von 2.067, und die Vorlesungen von 344 
Personen besucht. 
Vortrags-Gyklen im Oesterr. Museum. Das k. k. Oesterr. 
Museum veranstaltet in der Zeit vom ai. Januar bis Mitte März i8g8 
an Wochenabenden von 7-8 Uhr drei Vortrags-Cyklen zu je fünf Vor- 
trägen. Die Theilnahme an diesen VortragsaCyklen wird auf eine be- 
stimmte Zahl von Zuhörern beschränkt sein und kann nur erfolgen auf 
Grund einer Einschreibung, für welche eine Gebühr von i Krone für 
jeden Vortrags-Cyklus eingehoben wird. Die Einschreibungen werden 
an Wochentagen von 9-3 Uhr in der Kanzlei des Museums entgegen 
genommen, und für jeden Cyklus besondere, auf Namen lautende Karten 
ausgefolgt. Das Programm dieser Vortrags-Cyklen ist folgendes: . 
l. Vice-Director Dr. Ed. Leisching: nOesterreichische Kunst- 
geschichtee, 1. Theil. (Mit skioptischen Demonstrationen.) i. Vortrag 
Freitag den 21., 2. Vortrag Dienstag den 25., 3. Vortrag Freitag den 
28. Januar, 4. Vortrag Dienstag den i., 5. Vortrag Freitag den 4. Februar. 
II. Custos Dr. Karl Masner: wGeschichte des Möbelsa. (Mit 
skioptischen Demonstrationen.) i. Vortrag Dienstag den 8., 2. Vortrag 
Freitag den ii., 3. Vortrag Dienstag den i5., 4. Vortrag Freitag den i8., 
5. Vortrag Dienstag den 22. Februar. 
lll. Custos Joseph Folnesics: nGeschichte des europäischen 
Porzellansa. (Mit Demonstrationen.) l. Vortrag Freitag den 25. Fe- 
bruar, 2. Vortrag Dienstag den i., 3. Vortrag Freitag den 4., 4. Vortrag 
Dienstag den 8., 5. Vortrag Freitag den ii. März.
	        

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