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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1896 / 4)

Statnmcapitals. An Stipendien und Unterstützungen wurden im ver- 
flossenen Jahre 5115 fl. verausgabt. ln den Ausschuss wurden die Herren 
Hofrath Prof. Dr. Bauer und Handelskammer-Vicepräsident Kitschelt, 
zu Revisoren die Herren Jos. Mayer, Th. Theyer, Joh. B. Kirschnek 
wieder- und Herr E. v. Kanitz neu gewählt. Hofrath v. Storck sprach 
der Gesellschaft den wärmsten Dank für die Förderung der Kunstgewerbe- 
schule aus. 
Besuch des luaeuma. Die Sammlungen des Museums wurden im Monat 
März von 30.404, die Bibliothek von 2042, und die Vorlesungen von 141. Per- 
sonen besucht. 
Vorlesungen. Am m. Februar hielt Professor Dr. Engelbert Muhlbacher einen 
Vortrag über -Papyrus, Pergatnent, Papieri, den wir in Folgendem skizziren. 
Der Beschreibstolf ist für die Schrift das, was der Boden für die Pflanze: er 
bedingt deren äußere Entwicklung, deren Ausgestaltung. Nicht minder ist er auch cultur- 
geschichtlich interessant als Trager der Litteratur, der schriftlichen Ueberlieferung, Hier 
konnen nur jene Beschreibstoife besprochen werden, welche für das Abendland von Be- 
deutung geworden sind. 
Der Papyrus wurde aus dem Mark der im Nildelta in grossen Culturen gepflegten 
Papyrttspüanze, einer hoch aufragenden Cyperacee, bereitet. Das Mark wurde in dünne 
Schichten zertheilt. die quer übereinander gelegt, mit Weizeristarke geleimt, gepreßt und 
apptetirt wurden. Die so gefertigten Einzelblatter wurden zusammengeleimt. Der Papyrus 
kam nur in langen Rollen in den Handel. Das erste Blatt der Rolle, das Protokoll, trug 
die statische Fabriksmarke. Die Papyrusfabrication war ein sehr eintragliches ararisches 
Monopol. Die -Sarnmlung des Papyrus Erzherzog Raineru, einer unserer größten wissen- 
schaftlichen Schatze, der, von Prof. Karabacek mit Meisterhand präparirt und geordnet, 
eine Falle von geschichtlich und litterarisch bedeutsamen Entdeckungen bietet, enthalt 
auch eine Masse der interessantesten Papyrusproben in den verschiedenen Sorten. Vom 
Papyrus und seiner Fabrication kommt noch eine Anzahl technischer Ausdrücke unserer 
Buchterminologie, wie ßißloc (Papyrusrnark z Bucli), volumen (Rolle von volvere, rollen), 
tomus (Abschnitt), pagina (Blatt von pangere, befestigen). Der Papyrus war der Schreib- 
stoff des classisclien Alterthums, die classische Litteratur wurde nur in Rollen publicirt. 
Aber auch für Urkunden fand er ebenso ausgebreitete Verwendung; wie die Rescripte 
der römischen Kaiser auf Papyrus geschrieben waren, so bedienten sich desselben auch 
die Kanzleien der germanischen Könige, die auf romischem Boden ihre Reiche errichteten, 
für ihre Urkunden. die Merowinger sogar bis in die zweite Hälfte des 7. Jahrhunderts. 
Am längsten, bis in den Anfang des it. Jahrhunderts, hielt die päpstliche Kanzlei am 
Papyrus fest, auch dann noch, als Aegypten bereits in den Händen der Araber war, welche 
diese Fabrication in der alten Weise als arnrisches Monopol fortsetzten, bis der Papyrus 
durch das billigere und vetwendbarere Papier, dem er auch seinen Namen abgab, ver- 
drängt wurde. 
Die leichte Zerstörbarkeit des vegutabilischen Papyrus musste das Bedtirfniss nach 
einem festen, dauerhaften Schreibstotf fuhlbar machen. Diesen bot das Pergament. Die 
Erzählung des Plinius, das Pergament sei von König l-Iumenes von Pergamum (i97 bis 
158 v. Chr.) erfunden worden, gehört in dris Fahelreich; die Verwendung zubereiteter 
Thierfelle, des Pergaments, als Beschreibstoß war den orientalischen Völkern damals 
langst bekannt, noch jetzt ist die Thora nach alter Ciepflogenheit auf Pergament geschrieben. 
Bei den Römern diente das Pergament, hier in Cuncurrenz mit der Wachstafel, dem 
Bedarf des Alltaglebens, für Aufzeichnungen, Conti u dgL, litterarisch nur für Entwürfe, 
Concepte; daher das bekannte Wort des Horaz vom neunjährigen Ablagern der poetischen 
Entwürfe auf den membranis intus positis, auf Pergamenthlattern. Denn noch heißt das 
Petgament membrana (von membrum), der Name Pergnment tritt erst in einem Edict 
Dincletians 3c! auf. Das Pergament konnte, wenn die Schrift abgewaschen wurde, wieder 
neu beschrieben werden; den Ausdruck nPalitnpsestu für wieder beschriebenes Pergament 
kennt schon Cicero. Die Pergamentblatter konnten zusammengelegt und geheftet werden, 
während die Fasern des Papyrus beim Falten brechen; mit dem Pergament war auch 
unsere Buchform, der Codex, gegeben. Vor allemfgrißen die Schriltwerke zum dauer- 
haften Pergament, denen die Authentität und die durch jedes Abschreiben geflhrdete 
Unverderbtheit des Textes das Wichtigste war, die h. Schflfl mit den Kirchenvatern und 
die Codification der Gesetzgebung. Unsere ältesten Codices reichen bis in das 4.-5.Jahr- 
hundert hinauf. Schon damals liebte man für Prlchlwetke prunkvolle Ausstattung. 
Purpurpergament mit Gold- und Silberxchrift, wie sie auch in spaterer Zeit manchmal
	        
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