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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1896 / 4)

Die angegebenen Proportionen beschränken sich auf das Nothwendigste. Wichtige 
freie Abweichungen von den allgemeinen Regeln, zur Erzielung vollkommener Anordnung 
der Buchstaben und Vermeidung unangenehmer optischer Täuschungen, eingehend erklärt, 
werden jedem Ausübenden willkommen sein. M-t. 
Die Abteikirche zu Amorbach, ein Prachtwerk deutscher Rococokunst. 
Nach archivalischen Quellen beschrieben und erläutert von Jean Louis 
Sponsel. Mit drei Textbildern und 40 Lichtdrucktafeln nach photo- 
graphischer Aufnahme unter Leitung des Verfassers. Dresden, Wilh. 
HoEmann, 1896. F01. 52 Sp. Text. H. 30. 
lm bayerischen Odenwald, im südwestlichsten Winkel von Unterfranken, zum 
Landgericht Aschaffenburg gehörend, liegt das Städtchen Atnorbach mit seiner 734 ge- 
gründeten BeneiJictiner-Abtei. Aehnlich wie die Hofkirche zu Fürstenfeld und die Kloster- 
kirche in Ottobeuern nimmt auch die Kirche zu Amorbach eine hervorragende Stelle in 
der Geschichte des süddeutschen Kircbenbaues im 18. Jahrhundert ein. Der Bauplan, 
1741 von General von Welsch aus Mainz entworfen, wurde von Baumeister Hafele 
ausgeführt. Die Kirche zeigt in architektonischer Beziehung nichts auffallend Originelles. 
Ein dreischifliges Langhaus mit überhöhtem, von einem Tonnengewolbe Eiberspannten 
Mittelschiff; vor dem Chor ein Querhaus mit Flachkuppel über der Vterung, der ganze 
Raum von hellem Licht reichlich durchüuthet, das durch Rundfenster im oberen Theile 
des Hauptschiffes und hohe lange Fenster im Seitenschiße hereinstromt. - Was die 
Kirche zu einer wahren Glanzleistung des deutschen Roeoco stempelt, ist deren meister- 
bafte innere Ausstattung. Sie besteht in einer reichen Stueco-Decoranon, die, wie sich 
herausgestellt hat, ein Werk der Wessobrunnner Künstlerschule ist, und in dem male- 
rischen Schmuck der Decke, als deren Schöpfer Matthäus Günther nachgewiesen wurde. 
Jene Wessobrunner Stuccatoren, deren künstlerische Ahnherren sich bis _ln das 16. Jahr- 
hundert zurückverfolgen lassen, sind Johann Uebelher und Joh. Michael Feichtmayr. 
Ihre Compoaitionen zeichnen sich durch lebendigen Schwung, organische Entwicklung 
und angenehmen Fluss der Linien aus. Trelfend charakterisirt sie der Verfasser des 
Textes, indem er sagt: -Nicht nur das den Haupttheil bildende eigentliche Muschelwerlt 
ist in jeder wellenartigen Bewegung, jedem neuen Ansatz organisch durchgebildet, son- 
dern auch die damit vereinigten Pflanzenmotive, der Altanthus, die Federn und Flammen, 
die Fruchtgehlnge und Blumengewinde erscheinen auf's lnnigste mit dem muscheligen 
Kern verbunden. Dabei erreicht das Ganze eine seltene Große und Kraft des Ausdrucks.- 
- Altäre, Kanzel, das Schnitzwerk der Orgel wie der Stühle sind mit derselben deco- 
rativen Pracht durchgeführt. Vollendete Denkmale deutscher Schmiedearbeit sind die 
reichen Abschlussgitter des Chores und der Seitenschitfe, Werke, deren künstlerische Be- 
deutung schon durch den für jene Zeit ungewöhnlich hohen Kostenpreis von 465a ü. 
und 6 Ducaten genügend gekennzeichnet ist. 
Der beschreibende Text befasst sich zunächst mit dem Nachweis aller beim Baue 
und dessen Auaschmückung beschäftigten Künstler, worüber die Acten im fürstlich 
Leiningischen Archive genügende Auskunft gaben, und fuhrt gleichzeitig den Nachweis, 
welclf maßgebenden Einfluss auf die Ausgestaltung des Baues die Wessobrunner Künstler- 
schule hatte. Sodann folgt eine ausführliche Bsubeachreibung, die im Anschlüsse an die 
vorliegenden Lichtdrucktafeln die deeorative Pracht dieses Gotteshauses in ihrer farbigen 
Wirkung lebensvoll vor unserem geistigen Auge erstehen lasst. 
Die photographischen Aufnahmen sind fast durchwegs von vorzüglicher Qualität, 
nur der Wiedergabe der Deckenmalereien scheinen sich manchmal Schwierigkeiten in 
den Weg gestellt zu haben, und ebenso dürfte die Aulnahme der überaus reich ge- 
schmtzten Kanzel strengeren Anforderungen kaum entsprechen. Dagegen lässt die Re- 
produetion der Cartouchen sowie der sonstigen ornamentalen Details, der Altäre, des 
Holzmobiliars und des Gilterwerltes nichts zu wünschen übrig. Fs. 
s 
eMeisterwerlte der Hnlzscltneidekttnstn Vnn diesem bestens bekannten 
lllustrationswerke sind die ersten sechs Lieferungen des achtzehnten Bandes erschienen 
(Leipzig, J. J. Weber, ä I MkJ. Diese Lieferungen schließen s:ch ihren Vorgängern in 
jeder Beziehung würdig an und enthalten eine tretTIiche Auswahl des Vorzüglichsten, was 
auf dem Gebiete der deutschen Holzschneidekunst in der Gegenwart geschaffen wird.
	        

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