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fullscreen: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 3)

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sein mag. Es ist Alles in Allem ein erfolgreicher Protest gegen prosaischen 
Realismus und gedankenloses Abschreiben der Natur, die Summe jener 
eigenartigen Poesie, die unser von historischer Bildung gesättigtes Zeit- 
alter in die Wiederbelebung alter Formen hineinzulegen vermag. 
Neben Burne Jones pflegt eine ansehnliche Zahl von Künstlern, deren 
specieller Beruf die Illustration ist, dieses archaTsirende Genre, besonders 
dann, wenn ein alterthürnlicber Text dazu einlädt. Es ist eine Schwärmerei 
für den alten Holzschnittstil entstanden, die namentlich die Jugend ergriffen 
hat, und die dahin führt, dass man oft geradezu in Roheit und Unbeholfen- 
heit verfällt, um ja dem Charakter der Alten treu zu bleiben. Wo aber 
der Künstler mit Tact und Geschmack vorgeht, bedeutet dieser Stil 
entschieden eine Bereicherung des Illustrationswesens. So hat Lawrence 
Housman eine Reihe von Kobold-, Elfen- und I-Iexengeschichteu auf 
reizende Weise in dieser Art behandelt und war, wo der Stoff es zuließ, 
nebenbei bestrebt, seine Darstellungen mit frischem Humor zu beleben, 
wie z. B. in der Erzählung "Jump to glory Janeu. 
Ein anderes nennenswerthes Talent nach dieser Richtung entwickelt 
Selwyn Image und zeichnet sich überdies durch ebenso originelle als 
wirkungsvoll entworfene ornamentale Compositionen aus. Mehr in der 
Art Dürer's als in der der Italiener illustrirt Howard Pyle seine mittel- 
alterlichen Erzählungen. Gut stimmt auch hier der lnhalt zu den Illu- 
strationen uncl in sein Vorbild hat sich Pyle so sehr hineingelebt, dass 
man manche Zeichnung auf den ersten Blick für Dürer halten könnte. 
Trotzdem ist Pyle's Künstlerschaft nicht an diese Art der Zeichnung 
gebunden, wovon mehrere Bücher mit modernem Inhalte Zeugniss geben. 
Am treuesten folgt die Illustratorenschule von Birmingham den 
Vorbildern der Frührenaissauce. Gere, Gaskin, New, Gertrude Brad- 
ley und eine Reihe Anderer haben in dieser Weise Vorzügliches geleistet. 
Weitaus die bedeutendste künstlerische Kraft, die aus dieser Schule 
hervorgegangen, ist jedoch Fred Mason. Sein wHuon of Bordeaux", 
der 1895 erschien, ist ein Prachtwerk ersten Ranges. Es hat Vieles mit 
Burne Jones Chaucer-Illustrationen gemein. Aber Mason ist der gewandtere 
Ornamentist und die liebenswürdigere, fröhlichere Künstlernatur. Seine 
Randverzierungen sind geradezu entzückend. Bald weiß er uns durch Motive 
aus der Erzählung, die er in seine Ornamentik verfiicht, dafür zu inter- 
essiren, bald fesselt er durch reizvolle Verwendung unserer allergewöhn- 
lichsten Wiesenblumen. Auch die Kräuter und Pflanzen des Küchengartens 
versteht er wundervoll zu deuten und anzuordnen, so dass es eine wahre 
Freude ist, seine originellen Einfälle zu verfolgen. Das höchste Lob er- 
wirbt er sich durch das feine Abwägen der bildlichen Darstellung und 
des Ornaments. Das Ornament mag noch so reich sein, es wird in 
seiner Wirkung vom Bilde überstrahlt, das es umrahmt. Die kraft- 
strotzenden, jungen Rittergestalten auf ihren edlen Pferden, die süßen 
Jungfrauen, denen sie im Walde begegnen, die ehrwürdigen Matronen.
	        

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