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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1896 / 6)

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hinweisen. Das eine ist ein Dejeuner (Nr. 1880, Fürst Johann von und 
zu Liechtenstein), das andere sind zwei Vasen (Nr. 47x, Dr. A. Figdor). 
Das Dejeuner ist weiß, verziert mit einfachem Golddecor und mit Veduten. 
Auf dem Untersatz Paesturn, auf den Kannen der Dianatempel zu Bajae 
und die Fontana Sofia zu Benevent, auf der Zuckerdose der Vesuv und 
die Kirche zu Resina, auf der Tasse die Straße nach Pozzuoli, auf der 
Untertasse der königliche Palast zu Portici. Die Marke ist die der zweiten 
Periode, ein in die Masse eingedrücktes N mit der Krone. - Laut 
documentarischen Nachweises ist das Dejeuner ein Geschenk der Königin 
Karoline Maria von Neapel anlässlich ihrer Anwesenheit in Wien im 
Jahre r8gr an die Fürstin Leopoldine, die Gemahlin des Fürsten Franz 
von Liechtenstein und Mutter des Feldmarschalls Johann von und zu 
Liechtenstein. 
Die erwähnte Datirung mit der Zeit der Entstehung des Services 
in Zusammenhang zu bringen, wäre aber unrichtig. Das Deieuner ist 
unzweifelhaft älter. Capo di Monte huldigte schon sehr früh dem Classi- 
cismus, denn Pompeji und das Museo Borbonico verfehlten nicht, ihren 
mächtigen Einfluss vor Allem auf ihre nächste Umgehung auszuüben. 
Unser Deieuner aber zeigt in Form und Malerei noch den Stil der letzten 
Regierungsjahre Ludwig XV., dürfte also um 1770 entstanden sein. 
Die bereits erwähnten Vasen dagegen gehören in die Blüthezeit des 
Empirestils. Sie haben Kraterform, ihr hoher, breiter Hals ist durch 
ornamentirte Theilungsbänder in vier rechteckige Felder getheilt, das 
vordere und rückwärtige zieren Veduten, die seitlichen, in welche die 
Henkel hineinragen, Medaillons mit grau in Grau gemalten Victorien. 
Bauch und Fuß der Vasen sind reich in Gold decorirt. Das Ganze 
zeichnet sich durch eine ebenso feine als eigenartige coloristische 
Gesammtwirkung aus. Die Veduten stellen den königlichen Palast zu 
Neapel, die Häfen von Palermo und Messina und das Nationalmuseurn 
dar. Das letztere nennt die Ueberschrift wRegij Studijg ein Titel, den 
das Gebäude vor seiner Erweiterung im Jahre 1790 führte. Die Vasen 
sind also wahrscheinlich vor dieser Zeit entstanden. 
Berliner Porzellan ist auf der Ausstellung verhältnismäßig gut 
vertreten. Von der Productionsart zwischen 18:0 und 1820 geben die 
vorhandenen Stücke zwar einen sehr unvollständigen, jedoch in einigen 
wesentlichen Zügen richtigen BegriE. - lm ersten Decennium des Jahr- 
hunderts äußert sich der Druck, der auf halb Europa lastete, auch hier 
empfindlich genug, aber bald nach 1815 nimmt die Fabrik einen erstaun- 
lichen Aufschwung. Einschneidende technische Verbesserungen geben ihr 
einen wesentlichen Vorsprung vor ihren Schwesteranstalten im Auslande, 
und auch in künstlerischer Beziehung bleibt sie nicht zurück, indem 
namentlich der Einfluss der berühmten Berliner Bildhauerschule auch hier 
zur Geltung kommt. In der Biscuitplastik wird Vorzügliches geleistet. 
Kein Geringerer als Schadow ist es, nach dessen Modellen zuweilen
	        

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