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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1896 / 7)

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chimsthaler sich nicht dazu hergeben brauchten, Glaubensgenossen zu 
bekriegen. ' ' P ' 
So wenig dieser Standpunkt. heute als ein gesetzlich zulässiger er- 
scheinen kann, unbeschadet seiner idealen Berechtigung, darf er für jene 
Zeit nicht unerhört heißen, wo der religiöse, beziehungsweise confessio- 
nelle Beweggrund den patriotischen, politischen und nationalen weit 
überwog; wo ferner die allgemeine Wehrpflicht eine unbekannte Größe 
war, und im Nothfalle Söldner den verlangten Dienst versahen; wo end- 
lich durch den Kriegszustand zwischen dem Kaiser und den evangelischen 
Fürsten auch den einzelnen Gemeinden die Stellungnahme nach ihrer 
religiösen Richtung zulässig dünken musste. 
Der König empfing den Pfarrer seines schönen Silberbergwerkes sehr 
gnädig und verlangte nur eine öffentliche Entschuldigung, reichte ihm 
sogar die Hand und geruhte huldvolle Versicherungen wegen der Con- 
fession zu geben. Dies Verhalten erregte in Mathesius das nagende 
Gefühl, sich wirklich gegen die Obrigkeit vergangen zu haben; "er hatte 
gemeint, es handle sich um den Glauben, nun war er überzeugt, -es 
käme nur die Politik in's Spiel. ln Wahrheit war er wohl überlistet; 
Ferdinand hatte von seinem kaiserlichen Bruder die. Verschleierungskunst 
gelernt. Dazu kam, dass Ferdinand, der in Audienzen gerade Protestanten 
gegenüber seine sonstige Leutseligkeit in leidenschaftlichen Ausbrüchen 
verleugnen konnte und kurz nach dieser Scene den Senior der böhmischen 
Brüder schrecklich foltern ließ. das kostbare Silberbergwerk schonen 
wollte. wPluto war Joachimsthal Patronat Mathesius blieb königstreu 
und persona grata bei Hofe. Kein Wunder, dass er später von dem 
vnJOSCPlI des 16. Jahrhundertsa, dem toleranten, confessionellen Corn- 
promissfürsten Maximilian ll. empfangen wurde, dem er die zur Feier 
seines Einzuges in Prag gehaltene Predigt überreichte; ihr Manuscript 
liegt auf unserer Hofbibliothek. Sogar mit den hitzigen Commissären 
trat Mathesius in freundschaftliche Beziehung, ohne dass darunter die zu 
den Grafen Schlick gelitten hätte. 
Nach diesen lrrungen und Aufregungen kamen Jahre des Auf- 
athmens und Behagens, bis neue Fluthen heranbrausten, die Haus und 
Herz umbrandeten. Die Berufsarbeit gedeiht, das schriftstellerische Schaffen 
kommt in Gang, die Familie wächst, der freundschaftliche Verkehr. ist 
lebhaft, mündlich und schriftlich; Zeugen davon u. a. der auf unserer 
Hofbibliothek liegende Briefwechsel mit dem Hofrathe v. Nidbruck. 
i Der auch in Versen zum Ausbruch gelangte Schmerz um den Tod 
der Gattin verschlang sich mit neuen politischen und sozialen Gefahren; 
mit körperlichen und seelischen Störungen. Eine Karlsbader Cur hatte 
keine entscheidende Wirkung. ln Folge eines Schlaganfalles am Schluss 
der Predigt verschied Mathesius, in Prosa und Poesie beklagt; die Knapp- 
schaftÜsetzte ihm einen Grabstein, d_en religiöser Fanatismus beseitigte. 
' ' ' (sehnt. folgt.) "
	        

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