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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1896 / 8)

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jenigen des Hospitalstraßeniiügels. Reich ausgebildete Wappenschilder mit den Emblemen 
der verschiedenen Handwerke zieren die vier Giebelrisalite und den Mittelbau der Schloß- 
und Lindenstraßenfacade. Als Bekronung hat die Attika der Vorderfront zwölf Stand- 
bilder aus Sandstein erhalten. Der Ausbau im lnnern entfaltet seine grüßte Pracht in 
der Vorhalle, mit ihrer großen Freitreppe und der Konig Karl-Halle mit einer zwei- 
armigen in Marmor ausgeführten Prachttreppe. Auch die Bibliotheks- und Sammlungs- 
räume, sowie die Säle und Ginge zu Seiten der Königs-Halle haben in der Architektur, 
Malerei und sonstigen Ausstattung eine reichere Ausbildung erhalten. 
Die Hauptwand der Konigshalle schmückt überdies ein großes Gemälde, allegorisch- 
historischen lnhalts, von Ferdinand Keller. Die König Karl-Halle ist dazu 
bestimmt, vorübergehende Ausstellungen des Museums, der Schulen des Landes, des 
württembergischen Kunstgewerhevereins, von Privatpersonen, namentlich Gewerbe- 
treibenden u. s. w. aufzunehmen. 
Unter den um die König Karl-Halle gelagerten großen Ausstellungssälen ist in 
erster Linie der Maschinensaal zu nennen, dann folgen diejenigen Säle, welche den 
technologischen Sammlungen und der bisher im Künigsbau untergebrachten permanenten 
Ausstellung verkäuflicher kunstgewerblicher Gegenstände des württembergischen Kunst- 
gewerbevereins zugewiesen sind. 
Das erate Obergesch oss hat die Fortsetzung der kunatgewerblichen Sammlungen 
des Museums und die Bibliothek aufgenommen. Jene nehmen drei Flügel des Gebäudes 
in einer durch Zwiachenmauern nicht unterbrochenen Folge ein, so dass ein Durchblick 
durch die langen Säle entsteht, der die Wirkung der Architektur auch im lnnern zur 
Geltung bringt. Den nordwestlichen Flügel nimmt zum größten Theil die ausgedehnte 
Textilsammlung ein, deren historischer Theil mit den Gewebemustern der koptischen 
Grsblunde beginnt. Den Abschluss bilden die mustergiltig in jahrelanger Arbeit für das 
Museum ausgeführten Lehrgänge der Reutltnger Ftauenarbeitsschule und der k. k. 
Stickereischule in Wien. Der Textilabtheilung schließt sich die reiche und werth- 
volle japanische Abtheilung an. 
Die angrenzende chinesische Abtheilung ist kleineren Umfangs und bildet 
den Uebergang in den Saal für Keramik und Glas, einem der größten des Hauses. 
Die nächste kleinere Abtheilung enthält alle Arbeiten auf dem Gebiete der Metalle. 
Dann folgen Holzwaaren aller Art, feinere Mobel, Cassette n, Sch nitzereie n. 
Elfenbein- und Hornwaaren, Lederwaaren, Papiere, Tapeten, Buch- 
e i n b a n d e. 
Den Schluss der Museumssammlungen bildet in diesem Stockwerk die graphische 
A h t h ei lun g. 
Wie schon am Eingang erwähnt, liegt in demselben Stockwerk die Bibliothek 
mit ihren verschiedenen Abtheilungen. 
Der Bibliotheksaal, nächst der König Karl-Halle der imposanteste Raum des 
Gebäudes, nimmt die ganze Front in der Kanzleistraße einschließlich der beiden Ecltthürme 
ein. Im Mittelschitf, das sein Licht durch drei das Tonnengewolbe unterbrechende 
Oberlichter erhäh, befinden sich die der Länge nach gestellten Lesetische mit rzo 
Sitzplätzen. ' 
Das Museum hat gelegentlich der feierlichen Eröffnung eine umfangreiche illustrirte 
Festschrift herausgegeben, die eine ausführliche Beschreibung des neuen Hauses enthält 
und der wir das Gesagte auszugsweise entnommen. Der Baubeschreibung ist ein 
geschichtlicher Theil beigegeben, der die Bedeutung dieses Institutes für die Entwicklung 
des Gewerbes und Kunstgewerbes in Württemberg eingehend schildert. 
Hasadelsmuseum In Phllüdülphiü. Die Hauptstadt Pennaylvaniens hat kürzlich 
ein Handelsmuseum in großtem Stil erhalten. an dessen Leitung und Verwaltung die 
höchsten politischen und Unterrichts-Behörden betheiligt sind. Das Museum verfolgt 
eminent praktische Ziele und ist in erster Linie dazu bestimmt, die inländischen Fabri- 
csnten und Kaufleute vollkommen zu orientiren über den jeweiligen Stand des Welt- 
marktes und sie über Möglichkeiten und Bedingungen des Absatzes im Laufenden zu 
erhalten. - 
Durch die Stadt in muniticenter Weise dotirt, verfügt es über reiche Muster- 
Sammlungen aller Handelsartikel, die beständig erneuert und ergänzt werden. Die 
S .mlung von Rohproducten ist vielleicht die reichste der Welt; sie entstammt zum 
großen Theil-der Columbischen Weltausstellung, und wurde ihr nach deren SchluB 
einverleibt. 
Ebenso soll ein beständiger Ueberblick über die jeweiligen Transportmittel, die 
Communicationswege, das Schwanken der Preise, die Patente, Verpackungsarten, Ein- 
fuhrsbedingungen etc. geboten werden. 
Zu diesem Zwecke steht das lnfurmationsbureau des Museums in Verbindung mit 
den Consulaten der ganzen Erde und erhält durch seine Correspondenten aus allen Welt- 

	        

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