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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XI (1896 / 11)

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Wie richtig war dies der Bestimmung des Hauses gemäß erfasst! 
An dem Gebäude selbst wurde Schule für das Kunstgewerbe gemacht, 
und es sprach gleich nach auBenhin in solchen Musterproben aus, dass 
auch ferner Aehnliches hier versucht und durchgeprobt werden sollte. 
ln der That wurde der im besten ornamentalen Linienschwung compu- 
nirte, an den Eckbauten verdoppelte Sgraffito-Fries von Ferd.Laufberger 
ein Vorbild, das weithinaus wirkte, und die Majolica-Medaillons, die gleich 
einem Geschmeide von mildem Farbenglanz sich von der schwarz-weiß 
schraffirten Ornamentzeichnung auf dunklem Grund abheben, erweckten 
ebenso Verständniss und Nachahmung für diesen bescheiden keuschen 
Jugendschmuck zunächst der florentinischen Bauwerke des Quattrocento, 
welcher uns an der Cappella Pazzi, an dem Ospedale dcgli Innocenti in 
Florenz so lieblich anmuthet. Die schlanken, charakteristisch umzeichneten 
Sgraff-ito-Figuren Laufbergefs zwischen den Lisenen des Oberbaues, die am 
meisten durch den Anfall des Wetters zu leiden hatten, wurden von Prof. 
Karl Karger mit Verständniss erneuert. 
Die bauliche Durchbildung des Inneren concentrirte Ferstel in dem 
musterhaft angelegten Arcadenhofe, damals auch etwas Neues für die 
Architektur Wien's! Eigentlich ist's ein Mittelding von Hof und Fest- 
saal, oder ein zu einem geschlossenen, zweigeschossigen Interieur umge- 
schaffener Hof. Die schlanken Monolithsäulen (32 in beiden Geschossen) 
aus Mauthausener Granit mit den auf denselben schön gespannten 
Bogen machen den vollen Eindruck aufstrebender Leichtigkeit, als ob 
freie Luft über ihnen wäre, und doch haben sie über dem kräftigen 
Kranzgesimse noch eine schwere Eisenconstruction zu tragen. Nun Granit 
hält schon etwas aus. Obenauf vermittelt eine durch Bogenzwickel ge- 
gliederte Deckenkehle den Uebergang zu einer Glasdecke. Es kam dem 
Architekten darauf an, das südliche, echt vornehme Renaissancernotiv des 
italienischen Palasthofes in seiner vollen formalen Schönheit herüberzua 
nehmen - etwa den herrlichen Hof Bramantäs aus der Cancelleria zu 
Rom in condensirter Wiedergabe - und doch zugleich dieses Motiv, an 
dem er persönlich seine künstlerische Freude fand, unseren klimatischen 
Bedingungen, vor Allem dem Zweck und Bedürfniss des Hauses anzu- 
passen. Der Architekt in unseren Tagen muss immer abrechnen und 
zugestehen, wenn er solch' einen rechten Künstlerwunsch durchsetzen 
möchte; sobald es ihm aber gelingt, denselben mit einem Bedürfnisse, sei 
es auch durch ein Compromiss, in Einklang zu bringen - das Schöne, 
wie er's empfunden, auch baunützlich und zweckdienlich zu machen - 
dann ist dies ein Erfolg, zu dem er sich selbst im Stillen beglück- 
wünschen mag. Dies wird auch das Gefühl FerstePs in diesem Falle ge- 
wesen sein. 
Thatsächlich schuf er mit dem von zwei Arcadengeschossen umfassten, 
durch reines Oberlicht erhellten Centralraum eine festliche Aula und 
Ausstattungsstätte, wie siefkaum schöner verlangt werden konnte. im 
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