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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1895 / 7)

kriegerische Chlamys und schrieb dafür als Friedenskleid das Colobium 
(eine Aermel-Tunica) und unsere Paenula vor. Damit war der entscheidend: 
Schritt geschehen: aus dem früheren Reisekleid war nach beiläufig 400- 
jährigem Kampfe mit Toga und Pallium nunmehr das jedenfalls auch 
reichverzierte Staatskleid der Beamten und besonders der Senatoren ge- 
worden. Die Paenula war das officielle Friedenskleid, der militärischen 
Tracht gegenüber, von der sie übrigens auch nicht ganz ausgeschlossen 
war, wie ein Monument im Museum von Spalato beweist, eine Art Civil- 
uniform geworden. Auch die Geistlichkeit bediente sich des Ehrenkleides, 
das ia schon auf einigen Katakombenbildern und Goldgläsern nicht nur _ 
in immer häufigerem Gebrauch erscheint, sondern auch die Schrecken 
seiner schweren Faltenlagen längst verloren hatte. An einem geschliffenen 
Glase aus dem 5..lahrh. zeigt uns de Rossi nach dem vatican. Manuscript 
9136, fol. 217 (R. de Fl. 1. c. p. 115), die christliche Paenula in ihrem 
Typus als paenula nobilis: aus der Glockenform war ein aus zwei Deltoiden 
bestehendes Kleidungsstück geworden, welches Rücken und Brust bis unter 
die Knie hinab, spitz zulaufend deckte, den Vorderarm aber sehr leicht 
freimachen ließ. Ein Zierstreifen lief von der Halsöffnung zur vorderen 
Spitze hinab und ebenso einfach waren die Schmuckgeleise auf dem Rück- 
theile, denen sich noch Borden an den unteren, gegen die Arme auf- 
steigenden Säumen anschlossen, sowie gewiss auch die Halsölfnung ein- 
gesäumt war. Es wird dem vergleichenden Auge nicht entgehen, dass 
wir für das Wort Paenula blos Messkleid oder Casula zu sagen haben, 
um den entscheidenden Schritt in der Geschichte des Messkleides zu be- 
zeichnen. Die spätere sogenannte Glockencasula hat ihr Formenvorbild in 
der paenula viatoria, und die sonst der Gothik zugeschriebene abgestutzte 
Glockenform haben wir schon in der christlichen Antike als paenula 
nobilis begrüßt. 
Es ist daher auch unrichtig, von gothischen und romanischen Caseln 
mit ausschließlichem Bezug auf die Glockenfnrm zu sprechen, wir haben 
diese reicher und weiter gehaltenen Caseln richtig naltrömischec zu nennen. 
iSchon das Wort casula, wie es sich bereits bei Gregor v. Tour, 1' 595, 
und lsidor v. Sevilla, 1' 636, also jenseits und diesseits der Pyrenäen 
im 6. und 7. Jahrhundert findet, beschreibt uns gleichsam die alte Form 
des Messkleides. Besonders wenn wir an die paenula viatoria denken, 
begreifen wir, wie man dies Kleid eine Casula, d. h. eine kleine Hütte, 
nennen konnte, denn ihr Träger war wie in ein wandelndes Stoffzelt ein- 
geschlossen. Diese Form der Casula gab auch der symbolischen Tendenz 
einen willkommenen Anhaltspunkt, denn ein französisches Rituale aus 
dem g. oder 10. Jahrhundert beschreibt uns dieselbe als ntoto unitaw, 
als ganz einheitlich nsine manicasu (sic) ohne Aermel, da der Priester 
eher zu segnen als zu dienen berufen ist, darum ist sein Kleid (dem 
Altardiener gegenüber, der eine auf beiden Seiten offene Dalmatik trägt) 
ringsum geschlossen, nicht geschlitzt, nicht offen. Der Ausdruck dieses
	        

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