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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1895 / 9)

au.) 
deren vorgeschriebene Zusammenstellungen der Schüler auf Treue und Glauben als die 
giltigen und harmonischen hinzunehmen hat, ist bei beiden Autoren als das Wichtigste 
ihrer Lehren hervorgehoben. Jedoch geben beide von grundverschiedenen Standpunkten 
aus. Durch Gehler's Arbeit, die hier zuerst angeführt sein moge, werden ohne 
Zweifel keinerlei nennenswerthe Neuerungen eingeführt. Seine Schrift ist als Reform- 
project kaum in Betracht zu ziehen. Der Schwerpunkt des von ihm Vorgebrachten 
liegt eben nur in der entschiedenen Betonung des Ausspruches: dass i-Auseinander- 
setzungen, welche die Behandlung der Farbenlehre beim Unterricht: in gewerblichen 
Schulen zum Zwecke der praktischen Anwendung im Gewerbe betreEen, nur auf ma- 
terielle Farben Bezug haben könnena, wobei er kühnlich vorausschickt, dass zwischen 
diesen und den physikalischen Farben nein innerer, wesentlicher Zusammenhang. nicht 
bestehe. lm Allgemeinen halt der Verfasser ziemlich an den Grundsätzen fest, die in 
der Mehrzahl der popularen Schriften über Farbenlehre zum Ausdruck gebracht werden. 
Er benützt das Schema des gebräuchlichen Farbenkreises und beschrankt die zur De- 
monstration nothigen Farbmittel auf Gummigutt, lichten Carmin und Preußisch Blau, 
deren verschiedene Mischungen ihm die nothigen einfachsten Uebergangsfarben, und für 
weitere Farbenringe noch beliebige complicirtere Mischfarben liefern. Diese Schemata 
dienen zur bequemen Andeutung ganzer Reihen von Combinationen, die als harmonisch 
bezeichnet werden. Auf verschiedene Grade der Helligkeit, der Sattigung u. s. w. wird 
hiebei keine besondere Rücksicht genommen. Einige Bemerkungen über Ergänzungs- 
(Contrash, Complementan) Farben - immer nur der Betrachtung der verwendeten drei 
Hauptpigmente und ihrer Mischungen angepasst - erleichtern die Aufstellung der als 
empfeblenswerth zu bezeichnenden Paare und Triaden, umsomehr als bei deren Be- 
stimmungen eine auch ziemlich bedeutende Abweichung von der aufgestellten, empirisch 
gefundenen Regel ausdrücklich zugestanden wird. (i-Farben  die einander bei- 
nahe zu einer Farbenreihe erganzenu i-Nebenerganzungsfarben.i) Da aber auch die im 
Farbenkreise nahestehenden (verwandten) Farben zu denen gerechnet werden, 
die das Auge befriedigen, ferner auch noch weitere Farbenzusammenstellungen, wie sie 
aim gewöhnlichen Lebens -für gut befunden werdenu, in Anwendung kommen sollen, so 
erscheinen nach Gehler's Regeln die unharmonischen Farben in wesentlich reducirter 
Anzahl. Wie wenig genau es der Verfasser überhaupt mit der Farbe nimmt, geht 
übrigens schon aus dem Umstande hervor, dass er ohne Rücksicht auf die hiedurch 
entstehenden großeren oder geringeren Farbenverinderungen der Pigmente diese durch 
Zusatz von Weiß oder Schwarz heller oder dunkler machen will. Dass aGuld-, 
Silber- und Kupferbrcinze, und ebenso Weil}, Grau und Schwarz bald mit mehr, bald 
mit weniger gutem Erfolge mit allen übrigen Farben und mit slmmllichen möglichen 
Farbenverbindungen in Zusammenstellung gebracht werden können-i, führt der Verfasser 
kurz an, doch ohne hiebei über die günstigste Art der Verwendung solcher Combina- 
lionen etwas Grundsatzliches auszusprechen. Was über die Charakteristik der Lasur- 
und der Deckfarben zu sagen sein mag, wird der Einsicht des Lehrers überlassen und 
nur als passendsier Anknüpfungspunkt für die Erörterungen dieses Gegenstandes die 
Thatsache angeführt, dass gewisse naher bezeichnete Farbkdrper rsehr schon sich 
machenn, wenn sie dünn, gewisse andere hingegen nur dann, wenn sie dick aufgetragen 
sind. Deckfarben (to-zo an der Zahl) durch Mischen von Zinkweiß mit nverschieden 
starken Losungen einzelner Schul- oder sonstiger Lasurfarbenu, vom Lehrer hergestellt, 
waren amoglichst sammtlichenc Schülern zugänglich zu machen, woraus zu schließen 
ist, dass wenig Gewicht darauf gelegt wird, die Schüler zu selbstlndiger, freier Ver- 
wendung der Farbe nach gewonnenen Grundsätzen anzuhalten. 
Bezüglich des Arbeitsprogrammes der Schüler hebt der Verfasser mit Recht die 
Nützlichkeit der Pflege des farbigen Flachornaments hervor; hingegen müsste es als be- 
denklich genug bezeichnet werden, die Farbe mit iimoglichst allen: Manieren zeichne- 
rischer Darstellungsweisen zu verbinden, iplastiache Zeichnungen in Wischkreide-, 
Kreidestift-, Tuseh- und Kohleschattirung und endlich auch schraffirte Zeichnungen 
vermittelst Farbe in Wirkung zu setzenu. 
ln einem besonderen Abschnitte führt der Verfasser die gebräuchlichsten Farb- 
stoffe an, mit Berücksichtigung ihrer Erzeugung und ihrer besonderen Verwendung in 
der Farberei. Er verweist hiebei auf die entsprechenden Artikel in Meyer's Conver- 
sationslexikon. 
Solchen Ausführungen gegenüber zeigt sich der Entwurf zu einer praktischen 
Farbenlehre, wie sie Dr. Claus eingeführt wissen will, weitaus energischer und vor 
Allem selbständiger. Hier liegt das Bestreben offen zu Tage, nicht etwa blos den Schüler 
mit schwierig zu erfassenden Lehrsäizen und Beweisgründen zu verschonen, sondern es 
wird zunächst jeglichem Gedanken an eine bis jetzt geltende Theorie der Garaus ge- 
macht und auf dem sauber ausgerodeten Boden ein Aufbau von Maximen gestellt, der, 
nach rein subjectiven Beweggründen geschaffen, Erläuterungen überzeugender 
Art weder fordert noch überhaupt zulässt.
	        

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