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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1895 / 9)

Kühne widmete sich seinem Lehrberufe mit hingebungs- 
vollem, nie rastendem Eifer; er verstand es in unübertreßlicher 
Weise, schlummernde Talente zu entdecken und zu entwickeln, 
den Schülern nachhaltige Begeisterung für ihre Kunst einzuflößen, 
ihren Blick zu schärfen, ihre Hand zu leiten und sie jenes tüchtige 
ehrliche Arbeiten zu lehren, welches sein eigenes Schaffen in allen 
Phasen seiner Entwicklung ausgezeichnet hat. Kühne selbst ist in 
Wien von Jahr zu Jahr mit seinen höheren Zielen künstlerisch 
bis zur Meisterschaft gewachsen und er erfreute bis in die letzte 
Zeit seines Lebens in stetem Fortschreiten immer auf's Neue mit 
neuen liebenswürdigen Gebilden seines reichen Könnens. Natur 
und Antike studirte er unablässig. Alles was er geschaffen hat, 
ist der Natur abgelauscht, und wo er antike Motive verwerrhet, 
erweist er sich als Einer, der tiefe verständnissvolle Einblicke in 
das Wesen der classischen Kunst gewonnen hat. Er verstand es, 
zwischen Naturalismus und Classicismus glücklich zu vermitteln, 
er war ein im besten Sinne des Wortes moderner Künstler, der 
seine Anschauungen von der Antike stets durch das Studium der 
Natur und des Lebens berichtigt hat; und da seinem Wesen nur 
das Reine, Anmurhige, Liebenswürdige congenial war, so ge- 
langte er auf diese Art zu einem erhöhten stilvollen Realismus 
der Darstellung, der Jedermann ergreifen und fesseln musste. 
Von den zahlreichen Arbeiten des Meisters, die zumeist 
auf den Weihnachts-Ausstellungen des Oesterr. Museums und des 
Wiener Kunstgewerbevereins an die Oeäentlichkeit traten, sind die 
bekanntesten: Die Blumenverkäuferin, der Säemann, der Schnitter, 
der Bortfelder Bauer, der betende Tiroler Bauer, Mignon, Phryne, 
der Thorwart, der Vasenmaler, der Flörenspieler, die Quelle mit 
Reh. Aber Alles, was er geschalfen hat, ist gleich werthvoll. 
Leider war es Kühne nur in geringem Maße beschieden, 
seine Werke in dauerhaftem Materiale ausgeführt zu sehen. Das 
Oesterr. Mnseurn besitzt in Bronze nur den Säemann und Schnitter 
(für den Hoftiteltaxfonds ausgeführt), die Haarflechterin, eine 
sitzende und eine stehende weibliche Figur mit Spiegel. In den 
letzten Jahren war Kühne so glücklich, in einigen Kunstfreunden 
Förderer zu finden, welche einige seiner bedeutendsten Werke er- 
warben und theils in Marmor, theils in Bronze (bei Turbain) aus- 
führen ließen. Der Geigenspieler und die im vorigen Jahre vom 
Wiener Kunstgewerbeverein im Oesterr. Museum errichtete Büste 
des Präsidenten Hanusch wurden von Pönninger gegossen. Die 
meisten Arbeiten des Künstlers sind nur in Gips reproducirt.
	        

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