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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1895 / 9)

sein, ehe es seiner Aufgabe im Rahmen der vorgeschriebenen technischen 
Unterrichtsdisciplinen an höheren Gewerbeschulen gerecht zu werden 
vermag, und eben diese Herstellung tragfähigen Lehrgrundes besorgt das 
moderne technische Zeichnen. 
Monge stellt die Raumgebilde in den Vordergrund und geht von 
dem projicirten Punkte aus. Das moderne technische Zeichnen be- 
trachtet den allseitig begrenzten Raum als solchen, leitet die Bilder der 
Raumgebilde also von dem geometrischen Körper ab und stützt sich, 
indem es den modellirten Punkt vorflihrt, auf die Praxis des 
Messens. Es führt den Schüler nach einer auf Anschauung begründeten 
Vorbereitung, die sein räumliches Denken durch selbstthätiges Hinzu- 
lhun in ungezwungener Art entwickelt, zum Verständnisse schwieriger, 
theoretischer Constructionsprincipien. Es basirt, wie das Monge'sche 
System, auf einem künstlichen Abbildungsverfahren räumlicher Objecte, 
zeigt uns aber ein populäres Moment, indem das Messen eine in den 
Berufsschichten der Bevölkerung weit verbreitete und viel geübte Fertig- 
keit darstellt. So stehen sich zwei Systeme gegenüber: das theoretische 
und das volksthümliche, verschieden veranlagt und schließlich doch 
in demselben Ziele gipfelnd. Nach dieser neuen Auffassung des Vorberei- 
tungsunterrichtes im darstellenden Zeichnen ist es möglich, unter Gebrauch 
des MaBstabes bald ein ateliermäßiges Zeichnen einzuleiten und unter 
beständiger Betrachtung des räumlichen Objectes wirklichen Anschau- 
ungsunterricht zu treiben. 
Das Körperzeichnen bezweckt mithin keine Rückbildung in 
der theoretischen Sphäre der descriptiven Geometrie; die Ergebnisse seiner 
Methode räumen vielmehr den Monge'schen Theorien erst den rechten 
Platz ein, vergrößern den Umfang und die Tragweite ihrer wissenschaft- 
lichen Principien an höheren gewerblichen Berufsschulen, steigern ihre 
Lehrkräftigkeit und weisen im Wege anschaulicher, streng systematisch 
durchgeführterVorbereitungen auf ein verständnissvolles Aufgabenlösen 
vor. Zum Andern ist indessen die anschauliche Lehrweise im Gebiete des 
darstellenden Constructionsfaches nicht etwa als die unselbständige Die- 
nerin der Theorie aufzufassen, sondern sie repräsentirt eine vollwichtige 
pädagogische Individualität, eine für sich bestehende, aus sich 
wirkende und durch sich das Ziel erreichende Lehrspe cie s. 
Nach der ihr zu Grunde gelegten Unterrichtsmethode kann das Auf- 
fassen der einschlägigen Lehrsätze ein unbedingt sicheres werden und 
jedwedes Au swendiglernen von vornherein ausschließen, das bei Befol- 
gung der Mongüschen Praxis in manchen Fällen in auffälliger Art zu 
Tage tritt, indem der Schüler ganz gut und lließend die betreffenden 
Lehrsätze herzusagen weiß, die aus ihrem Wesen fließenden Constructionen 
und Detailausführungen aber nicht durchzuführen vermag. Und diese 
Erfahrung liefert den schlagenden Beweis, dass in einem Fache, wie jenem 
des Descriptiven, das so ganz von den Ergebnissen der Anschauung erfüllt
	        

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