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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1895 / 11)

Das Alter der einzelnen dargebotenen Vorschriften geht offenbar 
auf weit auseinanderliegende Perioden zurück. 
Den Künstler Dionysios, den Mönch von Fourna bei Agrapha, 
haben "wir als den Autor des größten Theiles des Handbuches zu be- 
trachten. Ueber die Zeit, in der er lebte, haben wir nur sehr schwan- 
kende Meinungen. Dass sein Werk dem n. oder gar dem 10. Jahr- 
hunderte entstamme, wie man auf dem Berge Athos glaubte, ist unmöglich 
anzunehmen. Wenn wir es mit den französichen Herausgebern nur bis 
zum 15. oder 16. Jahrhundert zurückversetzen, dürften wir der Wahrheit 
näher kommen. 
Indessen sind viele der in der Hermeneia vorkommenden Materien 
thatsächlich weit älter als ihre Niederschrift durch Dionysios, wenn es 
auch zweifelhaft ist, ob ihr Urheber, wie Didron erwähnt, im 11. Jahr- 
hundert oder, wie wir in einer Fußnote zu dem an die Maler gerichteten 
Vorworte des Handbuches lesen, im 12. Jahrhundert lebte. Die ältesten 
Ueberlieferungen beziehen sich fast ausschließlich auf den ikonographischen 
Theil. lm technologischen Theil ist nur der lnhalt weniger Sätze auf 
so alten Ursprung zurückzuführen. Aber diese enthalten Wichtiges. 
ln ihnen hat Dionysios niedergelegt, was ihm von der Werkweise des 
Manuel Pauselinos von Thessalonich, des classischen Hauptes der 
hagioritischen Schule, bekannt war, dessen Werke man im Protaton von 
Kares oder im Katholiken von Vatopedi studiren konnte. Manche Stellen 
des genannten praktischen Theiles, späte Zusätze verschiedenen Ursprungs, 
reichen offenbar bis in unser Jahrhundert. 
Die Anleitungen beziehen sich hauptsächlich auf die Technik der 
Fresken und der Tafelmalerei. Dass dem Autor auch die Mosaikmalerei 
bekannt war, bezeugt eine einzige Stelle in der dem Buche voraus- 
geschickten Anrufung der Jungfrau Maria, wo von dem Evangelisten 
Lukas gesagt wird, dass er der heiligen Gottesrnutter nichts Anderes als 
Erstlingsgabe anbieten zu können dachte, als den anschauenswerthen und 
liebreichen Ausdruck ihrer Gestalt nmit mannigfachen Farben und gol- 
denen Steinchen vermittelst seiner Malerkunst in Gemälden einzugraben 
und abzubildenm 
Bemerkenswerth ist, dass ein gemeinsamer Feind aller Malereien 
des Berges Athos häufig genannt wird. Die Gemälde aller Art müssen, 
wie aus mehreren Stellen des Textes hervorgeht, durch mancherlei 
Schmutz gefährdet worden sein. Staub und Rauch und viele andere 
durch die Luft und durch lastende Hände verbreitete Substanzen zeigen 
sich den Bildern schädlich; Farben und Firnisse etc. werden durch 
hineinfallende lnsecten und durch verwehte Haare u. dgl. verdorben. 
Vorsichtsmaßregeln zur Verhütung solchen Unheils und Mittel, Ver- 
schmutztes und Beschädigtes wieder in Stand zu setzen, werden angegeben. 
Das Verderbniss der Gemälde fördernd war auch wohl der Umstand, 
dass die Gotteshäuser klein waren und daher vom Weihrauch leicht
	        

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