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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe X (1895 / 12)

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stimmten Tafeln soll das Tränken des Holzes mit dünnem Leimwasser, 
das Anbringen des Gypsgrundes u. s. w. mit größter Sorgsamkeit vor- 
genommen werden. Die einzelnen Stücke (Bretter) haben, wenn nöthig, 
zwei Mann oberhalb eines mit heißer Leitulüsutig gefüllten kupfernen 
Gefäßes zu halten und zu wenden, während diese Lösung mit einer 
Röhre') aufgegossen und mittelst einer Bürste tüchtig in das Holz ge- 
rieben wird. Mit besonderer Vorsicht müssen hierauf zwei oder drei 
Lagen dünnen Gypsbreies angebracht werden, dessen zweckmäßige Con- 
sistenz unter Beobachtung angegebener Regeln probemäßig festzustellen 
ist. Ebenso verlangt das Trocknen der Gypslagen (in mäßiger Sonnen- 
wärme) große Aufmerksamkeit. Der Gyps wird übrigens bei den noch 
nicht angeschlagenen Chorschlüssen "mit der kleinen Röhreu aufgegossen 
und ablaufen gelassen, während bei dem schon angeschlagenen Holzwerk 
der Auftrag, bei den obersten Partien beginnend, mittelst des Borsten- 
pinsels bewerkstelligt werden muss. 
Den Gyps bedeckt endlich noch ein zur unmittelbaren Aufnahme 
der Vergoldung bestimmter Ueberzug, der bei unserer Polimentvergoldung 
ein Analogon findet. Für diesen Ueberzug, das Ampoli, sind verschie- 
dene Vorschriften vorhanden. Sein Hsuptbestandtheil ist (armenischer) 
Bolus. Es mag sich empfehlen, die in den einzelnen Recepten ange- 
gebenen Zusätze kurz anzuführen. t. Zu achtzehn Drachmen Bolus zwei 
Drachmen Ocker, eine Drachme i-Lampezi, nämlich rothes Blei-i (Minium), 
eine halbe Drachme Unschlitt, eine halbe Drachme Quecksilber, mit dem 
Zunder eines Papierblattes und ein wenig Speichel in der Hand verrieben. 
- z. Zum Bolus das gleiche Quantum Ocker mit einem Zusatz von ein 
wenig Seife und Eiweiß. - 3. Zu acht Drachmen Bolus eine Drachme 
Quecksilber, eine Drachme Unschlitt"), eine oder zwei Drachmen rothes 
Blei, eine Drachme Zinnober, eine Drachme Galle, fünf Drachmen Ocker 
und ein wenig Eiweiß. Bei Betrachtung dieser Vorschriften fällt sofort auf, 
dass auch hier wieder ein wesentlicher Bestandtheil nicht angeführt ist: 
die Leimlösung, die als Bindemittel und zur Erzielung der richtigen Con- 
sistenz nicht fehlen darf. Die angegebenen Quantitäten fester Stoffe 
wären auch, ganz ohne oder mit nur sehr wenig Flüssigkeit, unmöglich 
in der vorgeschriebenen Weise auf der Marmurplatte fein zu reiben, um 
sodann in mehreren dünnen Lagen auf den Gyps gestrichen 
zu werden. Auch hier ist die richtige Ergänzung des Gebotenen für 
den Fachmann ohne Schwierigkeit durchzuführen. 
1) So bei Schäfer, a. n. 0. p. 59. - Im Original sieht: pä 51m pomoüpi. Sollte 
das Werkzeug nicht eine Ar: Kelle (pwqai. : Rübrkelle, Meurerkelle) gewesen sein? - 
Nebenbei sei hier bemerkt, dass ein gewisses eisernes Kücheninstrumenl von der Farm 
eines kellenäbnlichen Scbäufelchens, an dessen langem Snel sich eine kurze zweizinkige 
Gabel beündet, in den Dialekten unserer Alpenländer nMGserlu genannt wird. (Da: G 
verbunden wie in nHEEtu, ngüän eic.) 
') Im Original nllnppu-roxsbl, wörtlich: Unschlinkerze.
	        

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