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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1894 / 1)

 
dabei die horrende Summe nennt, die dieselben kosten. Die darinnen be- 
Hndlichen Fenster: Christi Geburt, Auferstehung, Taufe im Jordan, Grab- 
legung, ein Engel, der gute Hirt und Einiges profaner Gattung sind nach 
der sattsam bekannten Manier ausgeführt: Köpfe und Fleischtheile gemalt, 
alles Uebrige opalescirendes Glas. Die Reclame ist jedenfalls das Beste an 
den Fenstern, der Name Tilfany schwebt auf allen Lippen, besonders auf 
denen schöner Frauen. 
Soll nun ein Gesammturtheil über die amerikanischen Glasmalereien 
abgegeben werden, so lässt sich dies in die Worte zusammenfassen: 
Viel Effect, viel Glas, wenig Malerei. Mehr Zeichnung und Malerei wäre 
auch undurchführbar. Einen Stab von Architekturzeichnern und Malern, 
wie ihn z. B. die Tiroler Glasmalerei oder andere europäische Anstalten 
besitzen, in Amerika zu unterhalten, ist unmöglich. Man begnügt sich 
daher mit irgend einem Entwurfe und lässt nach diesem den Glaser die 
einzelnen Partieen zusammensetzen. Es bleibt dabei noch immer Arbeit 
genug, denn es ist schwierig, das opaleske Glas, welches eine Dicke von 
v, bis t und 2 Zoll englisch hat, zu schneiden und noch mehr Mühe 
macht das Verbleien. Meiner Meinung nach basirt die Verwendung des 
opalesken Glases hauptsächlich auf dem Umstand, dass die amerikanischen 
Firmen keine Architekturmaler haben. Sie haben indes aus der Noth 
eine Tugend gemacht, große Effecte damit erreicht und mit dem geflecktcn 
Glase den vollen Beifall des Publicums gewonnen. Der Geschmack des 
amerikanischen Publicums ist sehr eigenthümlich, und auf dem Gebiete 
der Glasmalerei verwöhnt durch die Unmasse von Bildern zweifelhaften 
Werthes in schreienden Farben, die theils für Reclamezwecke, theils als 
Decoration für die Wohnung auf den Markt kommen. Das amerikanische 
Publicum will nichts Trübes sehen. Das Ringen um die Existenz und 
das Leben überhaupt ist hier so ernst, dass der Amerikaner jede Gelegen- 
heit ergreift, es auf Augenblicke zu vergessen. Er liebt daher keine 
ernsten Darstellungen und selten werden Figurengruppen bestellt, die das 
Leiden und Sterben unseres Herrn darstellen. Dagegen bevorzugt der 
Amerikaner heitere Gegenstände und frohe Farben, d. h. eine schöne 
Verwendung der Farbenscala, sollte sie vielleicht auch hin und wider 
etwas zu bunt sein. Was endlich die Hauptsache für ihn, respective für 
sie, die Amerikanerin ist, die ja doch in Allem und Jedem hier die erste 
Rolle spielt, das ist eine ideale Auffassung der Köpfe, namentlich der 
weiblichen, und eine hübsche Durchführung derselben. Auf das muss 
mit dem größten Nachdrucke hingewiesen werden. 
Als Hauptresultat ergibt sich, dass die moderne Glasmalerei, so 
weit sie amerikanischen Bedürfnissen zu dienen hat, die Pflege des 
englischen Stiles als wesentlichste Aufgabe betrachten muss. Bestimmt 
ausgesprochenen nationalen Charakter, würdevolle Vornehmheit in der 
Auswahl der Stoffe und vollendete Eleganz in der Technik finden wir
	        

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