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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1894 / 1)

ihm in Hinblick auf die Empfehlung der Churfürstin willfahrt werden. 
Franz Leux von Leuxenstein, kaiserl. Schatzmeister zu Prag, gibt 1692 
vor, er habe während seines Aufenthaltes in Wien Anspruch auf die 
Tafel, weshalb er, wenn solches dem Gebrauch entspräche, für die kurze 
Zeit seines Hierseins zur Kammerdienertafel zugelassen zu werden verlangt. 
Der Maler Ludwig de Biel bittet 1694. um den Titel eines Hofmalers, 
da ihm versprochen wurde, die durchlauchtige junge Herrschaft in der 
Zeichnung zu instruiren. Er ist von den Jesuiten empfohlen und soll in 
Wasserfarben stattlich malen, es sei somit kein Bedenken. Nicola Stoltz, 
gestickter Sattel-Cammer-Verwalter, 73 Jahre alt, mit 40 Dienstjahren, 
welcher bei der Belagerung besondere Obsicht auf die Sattelkammer 
gehabt, und sein yiiähriges Weib, welches die Hofammeln in Kost und 
Verwahrung hielt, bitten 1694. urn eine lebenslängliche Wein- und Brot- 
portion. Wird ihres hohen Alters wegen ausnahmsweise bewilliget. 
Magdalena Kremerin, der Kaiserin Stickerin, hat neun Jahre lang als 
Stickerin und Unterrichterin der Kinder mit Satisfaction gearbeitet, er- 
sucht 1698 um Besoldung. Erhält eine solche, da die Kaiserin ihre 
Zufriedenheit erklärt hat. Der aus Böhmen gebürtige Maler Johann 
Wilhelm von Mulz erhält 1699 den Titel eines Hofmalers, da er sich 
schon über zwanzig Jahre in Rom und in anderen italienischen Städten 
in der Kunst geübt, den Erzherzog Karl und die übrige junge Herrschaft 
sammt der Frau Aja gemalt habe, sowie für den P. Pischoffen, so selbige 
hat in Kupfer stechen lassen, woran Se. Mai. ein Vergnügen verspüren 
lassen, ferner viele Cavalier und Hofdamen. 
Im Jahre 1705 wird Mathias Kremel als Diamantbohrer mit jährlich 
300 fl. angenommen. ln der lnstruction für den neuernannten Theatral- 
Commissarius Johann B. Vidali heisst es 1708, dass er den Malern, 
Tischlern und sonstigen Handwerkern emsig nachzusehen habe, dass die 
Bildhauer und dergleichen Leute, welche nur per Pausch die Waaren 
wegnehmen, nichts verschwenden sollen. Leopold Engelskirchen wird 
t7o8 für einen Hofhandelsmann und Hollieferanten angenommen und 
sollen ihm die Waaren zu der Leibeskleidung, zu Opern, zu Faschings- 
festivitäten, Carousellen, Schlittenfahrten, Livreen und Klagkleidern ab- 
genommen werden. Engelskirchen erbaute sich bekanntlich das Palais 
auf der Wieden, welches heute Sr. kaiserl. Hoheit Herrn Erzherzog 
Rainer gehört. 
Ein Franzose Charles Carpentier, Tapezierer, möchte 1711 eine 
sogenannte Exspectanz auf eine Tapeziererstelle und bringt vor, dass er 
dem Oberstkämmerer Grafen Waldstein zehn Jahre lang gedient habe, 
der Obertapezierer Quantin befürwortet die Sache lebhaft, weil Petent 
seine Tochter ehelichen wollte, doch wurde Carpentier abgewiesen, weil 
es ungerecht für die bereits dienenden Einheimischen wäre, einen Fremden 
einzuschieben. Wir dürfen dabei auch nicht vergessen, dass gerade die 
Nationalität Carpentiers bei den damaligen politischen Verhältnissen ihm
	        

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