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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1894 / 3)

_ihre Geltung verlor, an ihre Stelle der Groschen der Tourer Münzgtärtg 
trat, Florenz die mit seinem Stadtsymbol, der Blume, bezeichneten und 
daher benannten Gulden oder Florine, Venedig sein Herzogsgeld, die 
Ducati prägte, gewöhnte man sich in Italien, alte außer Cours gesetzte 
Münzsorten, namentlich als Curiosität geachtete, wie die römischen, mit 
dem Namen nxedaglia zu bezeichnen, ähnlich wie unser Wort iThaler-i 
heute schon einen leichten antiquarischen Zug bekommt. Als dann im 
.15. Jahrhundert in Anlehnung an die schon seit Petrarca eifrig gesam- 
melten römischen Gepräge ähnliche Schaustlicke gefertigt wurden, ging 
der Name auch auf diese über und drang allmälig in alle europäischen 
Cultursprachen ein. 
Hoffentlich erwartet man keine schulgerechte Definition des Begriffs 
Medaille; sie ist schwerer zu geben, als es den Anschein hat, denn die 
Medaille hat sich den verschiedenartigsten Bedingungen gefügt. Eines hat 
sie aber nur in der Zeit, wo sie die freieste Domäne der Künstler war, 
im Quattrocento - und auch da nur in den seltensten Fällen - ver- 
leugnet, ihre Abkunft vom gemlinzten Gelde, die sich in drei 
Dingen namentlich bewährt: im Materiale, dem gelben, weißen oder 
rothen Metall, in der Form, der für den rasch fortrollenden Verkehr 
geeignetsten Kreisgestalt (die Doppelseitigkeit ist schon ein secundäres 
Merkmal), endlich in der ergänzend und erläuternd oft in selbständiger 
litterarischer Form zum Bilde tretenden Inschrift, eine Verbindung, 
welche sonst nur dem Kunstwerke primitiver Entwicklungszeit (und 
gerade dieser fehlt die Medaille gänzlich) in solcher Weise eigen ist. 
Das durch diese drei Momente bestimmte äußere Ansehen, das die 
Medaille durch alle Zeiten hindurch bewahrt hat, verräth ihren Ursprung, 
ihre geschichtliche Entwicklung bestätigt diesen. 
Das erste Volk, welches den genialen für Handel und Verkehr so 
fruchtbaren Gedanken hatte, das Werthmetall nicht mehr in rohen Stücken 
oder in Barren als Tauschmittel zu benützen, sondern in Einheiten, die 
nach bestimmtem System geformt sind, zu münzen, waren die Griechen 
der jonischen Küstenstädte; eine finanzielle Erfindung war damit gemacht, 
welche in der Handelsgeschichte an Wichtigkeit nur von den Banken, 
der Erfindung. eines anderen Küstenvolkes, der Venezianer, erreicht wird. 
Die Griechen haben die Medaille in unserem Sinne noch nicht gekannt, 
oder besser, die Münze vertrat bei ihnen die Stelle derselben. Denn im 
geraden Gegensatze zu unserer heutigen einförmigen und langweiligen 
Münze zeigt das griechische Geldstück den reichsten Typenwechsel. Was 
die Stadtrepublik nahe berührt, was ihren Stolz und Ruhm bildet, der 
Segen von Boden und Meer, die Götter die sie beschirmen, ihre öffent- 
lichen Spiele und Anstalten, kurz das ganze Leben der Stadt zieht auf 
diesen Geldstückchen an uns vorüber, die sehr häufig, namentlich in der 
Zeit vor Alexander, wahre Meisterwerke der Plastik und Zeugen eines 
alles,_auch das Unscheinbarste durchdringenden Kunstbedürfnisses sind, 
5!
	        

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