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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1894 / 4)

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Dieser derberen, gröberen, aber auch elfectvolleren Weise haben 
sich die modernen Künstlerlithographen bedient und damit eine andere 
Weise verbunden, welche sie auch dem Holzschnitt entlehnt haben, das 
Clair obscur oder die Darstellung in zwei oder mehreren Tönen. Hierbei 
handelt es sich nicht um natürliche Darstellung des Gegenstandes, sondern 
nur um eine malerische Wirkung durch Abtönung oder durch Gegen- 
sätze. ln dieser Art, um gleich von dieser Abtheilung zu reden, die auf 
den Arcaden den Besucher zuerst empfängt, hat vor allen anderen Hans 
Thema in Frankfurt, wie er denn überhaupt ein ganz eigenartiger Künstler 
ist, die merkwürdigsten und interessantesten Blätter zur Ausstellung 
gebracht, farbige Blätter mit einem Ton in Blau oder Grün oder Gelb 
und die Zeichnung mit grellem Weiß, auch wohl mit Silber und Gold 
gehöht, selbst noch weiter in Farben ausgeführt. Hierbei hat freilich 
nachträglich die Hand dem Drucke zu Hilfe kommen müssen. Die Wirkung 
ist ganz frappirend, phantastisch, geisterhaft. Wir verweisen beispiels- 
halber gleich auf das erste Blatt Nr. x56 wDer Hüter des Thales-r, das 
auf blauem Papier gedruckt und mit Silber gehöht ist, oder auf die 
vRheintöchter- (16x) auf grünem Papier mit Weiß gehöht oder auf 
(x64) wChristus am Oelbergu, blau mit weißen Strahlen umgeben. Ein 
anderes Blatt, wDie Märchenerzählerinu, auf grünem dunklen Papier zeigt 
einen silbernen Mond; am weitesten in der Ausführung mit Farben geht 
Nr. x69 x-Der Jüngling an der Quellen. Kaum minder eigenartig erscheinen 
die Blätter Thoma's, welche in der Manier eines derben Holzschnitts mit 
breiten kräftigen Strichen ausgeführt sind, wie verschiedene lebensgroße 
Köpfe oder wie "Der Violinspielern (l7t). 
Alle diese Blätter von Hans Thema, einundzwanzig an Zahl, sind 
Malerlithographien in dem oben angegebenen Sinne, insofern als Gedanke, 
Composition und Ausführung dem Künstler allein angehören. Dasselbe 
ist der Fall bei denen von Pidoll in Frankfurt und Greiner in München, 
sowie bei den Blättern von Steinhausen. 
Im Gegensatz zu den deutschen Lithographien sind die französischen, 
welche von einem Club, der Societe des Artistes Lithographes, in Paris 
gesendet worden, fast durchwegs nach Gemälden anderer Meister gemacht. 
Nur bei wenigen sind Lithograph und Componist dieselbe Person, so bei 
Nr. x56, 2x0, 2x4, 2x8 und einigen anderen. Die französische Lithographie 
unterscheidet sich daher auch durch geringere Originalität von der 
deutschen und erinnert mehr oder weniger an die besten Lithographien 
früherer Zeiten. Aber sie ist bei weitem künstlerischer als diese, überaus 
kräftiger, wirkungsvoller, tiefer, persönlicher, und erhebt sich zuweilen 
auch zu ganz besonders eigenartigen Effecten, wie z. B. in der Vision 
von Paul Mauron nach H. Martin, oder in dem Kopfe des Merovingers 
von demselben Lithographen nach Laurens. 
Zu dieser interessanten Abtheilung hat leider Wien noch keinen 
Beitrag gestellt, doch ist nicht zu zweifeln, dass die Anregung, die hier
	        

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