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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1894 / 4)

andere von besonderer Größe nach Franz Hals, andere nach Rembrandt. 
Die Eigenthümlichkeiten beider so verschiedener Meister sind vortrefflich 
eingehalten. Zeigt Köpping in diesen Blättern Kraft und Freiheit der Hand, 
so weiß er sich auch mit der größten Zartheit abzufinden, wie unter 
- anderen das Blatt Froufrou nach Clairin erkennen lässt. 
Vielseitiger vielleicht als irgend einer seiner Kunstgenossen erscheint 
William Unger, Feinheit mit Kraft, Zartheit mit Tiefe vereinend und 
sich jeder Eigenthümlichkeit seiner Originale anschrniegend, ob er den 
modernen Meister wiedergibt, ob Franz Hals, Van Dyck, Rubens oder 
Rembrandt. Wenn man die großen Blätter nach Bildern der Liechten- 
stein-Gallerie betrachtet, den sogenannten Wallenstein von Van Dyck, 
den Harlemer Willem van Huythuysen nach Franz Hals, die Söhne 
Rubens, das Selbstporträt Rembrandfs mit dem Federbarett, so weiß 
man nicht zu sagen, worin der Meister seine Stärke besitzt, und wenn 
man dann alle die zahlreichen kleineren Arbeiten aus den Galleriewerken 
prüft oder das Selbstporträt der Malerin Elisabeth Lebrun, so muss man 
sagen, dass gerade diese Anschmiegsamkeit seiner Technik eine Haupt- 
eigenschaft Ungers bildet. Wer die Eigenthümlichkeit der verschiedenen 
Maler und Schulen kennt, wird mit Leichtigkeit in den Radirungen 
Ungers die Namen wieder erkennen, ohne den Katalog befragen zu 
müssen. 
Zwischen Köpping und Unger hat der Kupferstecher Sonnenleiter 
seinen Platz gefunden; es ist somit Gelegenheit gegeben, den Unterschied 
zwischen Radirung und Kupferstich unmittelbar zu studiren, dort die 
freie Hand, der Wechsel und die Mannigfaltigkeit der künstlerischen 
Ausdrucksweise, hier die Herrschaft der regelmäßigen, geschwungenen, 
anschwellenden und abnehmenden Linie, dort Leichtigkeit und Findigkeit, 
hier Mühe und Gebundenheit. Und doch möchte man trotz der Unfrei- 
heit und der unverkennbaren Mühseligkeit unter Umständen dem Kupfer- 
stich den Vorzug ertheilen, wenn man z. B. den Stich Sonnenleitefs 
nach Angeli's Porträt der Erzherzogin Marie Therese, oder die Köpfe 
des Fräuleins Dutnba und der Prinzessin von Meiningen betrachtet. Wir 
möchten zweifeln, ob die Radirung in gleich edler, vornehmer oder an- 
muthig liebenswürdiger Weise den Originalen gerecht werden könnte. 
Viel eher dürfte das der Fall sein mit Rubens' Liebesgarten, von dem 
neben dem ausgezeichneten Stich auch eine ganz vorzügliche Zeichnung 
ausgestellt ist. 
Wenn die anderen großen Meister der modernen Radirung, wie z. B. 
Waltner, in jener Abtheilung, welche rings den Vorlesesaal erfüllt, nur 
mit einzelnen Werken ihrer Kunst vertreten sind, so haben wir dafür 
eine größere Anzahl von Namen und Meisterwerken, an denen sich selbst 
französische, englische und deutsche Weise unterscheiden lassen. Es sind 
auch heimische Künstler darunter, wie Michalek und der aus der Schule 
Ungers und des Oesterreiehischen Museums hervorgegangene Alphons.
	        

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