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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1894 / 5)

untereinander verbunden. Es ist nicht mehr ein gerader Stengel, eine 
starre oder scharfwinklig geknickte Linie, welche die Verbindung her- 
stellt, sondern eine im Halbkreis geschwungene Bogenlinie. Wir sehen 
hiermit die Aegypter auf bestem Wege zur Erfindung der Ranken- 
verbindung; aber das Ziel, das ihnen vorgeschwebt haben mag, haben sie 
nicht erreicht. Es ist den Aegyptern nicht unbemerkt geblieben, dass der 
Bogenfries die darauf gereihten Motive immer blos einer Richtung 
zugekehrt zeigen kann. Diese ewige Einseitigkeit musste auf die Dauer 
langweilig wirken. l-landelte es sich einmal um die Verzierung eines 
abschliessenden Streifens, einer Bordure, so schien es aus künstlerischen 
Gründen wünscbenswerth, die Motive nicht alle nach einer Seite, sondern 
abwechselnd nach Innen und Aussen gerichtet zu zeigen. Dies lieB sich 
aber an einem Bogenfriese auf keine Weise bewerkstelligen; es blieb 
nur der Ausweg. den Bogenfries zu verdoppeln, d. h. dem bereits vor- 
handenen ein parallellaufendes Gegenüber zu geben, das sämmtliche 
daraufgereihte Motive in der umgekehrten Richtung zeigte. Dann hatte 
man aber anstatt einer fortlaufenden Verbindung zwei getrennte Systeme 
von Bogenfriesen, und eine solche Lösung konnte nicht endgiltig befrie- 
digen. Gleichwohl sind die alten Aegypter nicht über diese Verdoppelung 
des Bogenfrieses hinausgekommen. Und das Gleiche gilt von den großen 
asiatischen Culturvölkern, die unter dem Anstoße ägyptischen Einflusses 
jedes für sich eine ganz acbtungswerthe Kunst begründet und ausgeübt 
haben. Weder die babylonisch-ägyptische, noch die phönizische, noch 
die alte persische Kunst sind im Pllanzenornament über den Bogenfries 
hinausgekommen. (Schluss folgt.) 
Eine Preisausschreibung der Union centrale. 
Ferdinand Laufberger machte mehrmals Entwürfe, durch die er das 
Bemühen der modernen Industrie, um jeden Preis originell zu sein, mit 
dem treffendsten Humor geißelte. An jene ernsten Scherze wurden wir 
durch das Modell eines Kruges erinnert, das zur Bewerbung um einen 
von der Union centrale des arts decoratifs in Paris ausgeschriebenen Preis 
für ein Trinkgefäß ausgeschrieben worden war. Das niedrige und weite, 
fast cylindrische Gefäß soll in Bach erhabener Arbeit mit Figuren geziert 
werden, die ihren Durst löschen; die Abbildung lässt nur eine davon sehen, ein 
nacktes Weib, das sich in der ungraziösesten Stellung zu einem stehenden 
Kinde beugt, um es an seiner Brust trinken zu lassen. Als Henkel aber 
dient eine ebenfalls nackte, jedoch wie es scheint wohlfrisirte weibliche 
Figur, die, um zu trinken, mit beiden Händen auf den Rand des Kruges 
gestützt einen Aufschwung ausführt, den die Turner Riesenwelle nennen; 
der Körper steht beinahe senkrecht empor, zwischen den FliBen hält die 
Dame, die eben so groß ist, wie das Gefäß hoch, einen Gegenstand, von 
dem die Abbildung nicht erkennen lässt, ob er eine Kugel oder was
	        

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