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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1894 / 5)

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ander gereiht, wobei die sich naturgemäß ergebenden Ansätze und Fugen nachher durch 
gemachte Streifen und Randornamentik sorgfältig verdeckt werden. Figuren, Gemälde 
u. s. w. wurden mit derselben Farbenmischung gemalt wie bei der ersten Art und auch 
ebenso erwärmt und geglättet; dasselbe Verfahren kam bei der Circumlitio, d. h. der 
Bemalung von Marmarstatuen zur Anwendung. 
Der Vortragende geht dann naher darauf ein, wieso die chemischen Unter- 
suchungen, welche an Fragmenten antiker Malereien vorgenommen wurden, so schwer 
mit den quellenschriftlichen Nachrichten in Einklang zu bringen sind. Es ließ sich 
dabei constatiren, dass Chaptal nur Farben aus einem Laden in Pompeji untersuchte, 
welche in Staubform, also für Malzweclte nicht vorbereitet waren, Davy seine Analysen 
hauptsächlich auf die Farben der nAldobrandinischen Hochzeit. bezieht und er des- 
ltalb nur an Atomen von Farbpigmenten operiren konnte; andere Forscher wie Geiger, 
und Chevreul, fanden jedoch organische Substanzen in solcher Menge, dass sie dieselben 
nicht für zufällig halten konnten. An verschiedenen Platzen, wie Athen, Tivoli, Selinunt, 
von wo antike Malereien untersucht wurden, konnte deutlich Wachs als Bindemittel 
und als Ueberzug nachgewiesen werden und zwar mit größerer Sicherheit als in Pompeji. 
Es war deshalb von größter Wichtigkeit, zu ergründen. welchen Einfluss die beispiel- 
lose Vernichtungsarx, die in Pompeji durch die Verschüttung mit glühend heißer Asche 
stattgefunden, auf das Farbenbindemittel haben konnte. Einige Versuche nach dieser 
Richtung, welche der Vortragende gemacht und gelegentlich des Vortrages vorzeigtcfbe- 
weisen, dass die heiße Aschenschichte den grßBten Theil des zur Bindung der Farben 
oder als Ueberzug Ober den farbigen Stuck verwendeten Wachses in sich aufgesogen 
haben musste. Diese Versuche bestanden darin, bemalte Stücke einem künstlichen 
Pompeji, einer Art Pompeji en miniature auszusetzen und dann die Oberfläche auf den 
Gehalt von Wachs zu untersuchen. Salzsäure, welche zuerst keine Wirkung auf die 
Farblchichte ausubte, brauste nach der Prozedur sofort auf, ein Beweis, dass die Farb- 
pigmente ohne genügende Bindung von Wachs frei lagerten. Ein weiterer Versuch mit 
Originalstucken zeigte genau dasselbe Resultat, nachdem punisches Wachs aufgestrichen 
und eingebrannt worden war. Um die Frage der pompejischen Technik der end- 
giltigen Lösung zuzuführen, ist noch die Thatsache zu bedenken, dass die Sauren der 
Oele und Fette mit Erdalkalien unlösliche Verbindungen (Kalkseifen) eingehen, wodurch 
ein großer Theil der unbestrittenen Haltbarkeit der antiken Malereien zu erklären ist. 
Zum Schluss: erläuterte der Vortragende die im Saale ausgestellte Collection 
seiner Versuche zur Reconstruction der Maltechnik des Alterthums und gab Aufklärungen 
über die Technik der Grafschen Funde, der Enkaustik, der Tempera mit punischem 
Wachs, sowie der byzantinischen Malarten u. s. w. 
Litteratur - Bericht. 
Arte italiana decürativa e industriale. Monats-Zeitschrift mit Unterstützung 
des italienischen Ministeriums für Ackerbau, Industrie und Handel 
herausgegeben von Camillo Boito. Mailand, Ulrico Hoepli. Jährlich 
12 Hefte mit zusammen tz farb. Tafeln und 50-60 Taf. Heliogra- 
phien in Großfolio und zahlreichen Textillustrationen u. Naturdetails. 
Abonnementpreis 46 Lire pro Jahr. 
Mit der uns vorliegenden Nummer tritt diese Zeitschrift in den dritten Jahrgang 
ihres Bestehens ein. lhr Inhalt gestaltet sich stets reicher und reicher. Es ist eine 
durchaus vornehme Publication, würdig des vornehmen Stolfes, den sie darbietet. Neben 
ausgezeichneten Aufsätzen allgemein ästhetischen Inhalts bringt die Zeitschrift nicht 
weniger gute Abhandlungen über kunstgewerbliehen Unterricht, über Künstler und KunstA 
werke früherer Epochen etc. etc. 
Simmtliche Illustrationen stehen auf der Höhe der heutigen Darstellungsmittel. 
Die prächtigen Heliotypien werden ergänzt durch vorzügliche Naturdetails, welch' letztere 
namentlich dem Kunstgewerbetreibenden und dem Studirenden ein schatzbares Material 
darbieten. 
Das Land der Kunst, das Ziel so vieler Studienreisenden, steht mit dieser Publi- 
cation den anderen Culturlandern. die ihm in Würdigung des Vergangenen vorangingen, 
voll und ganz zur Seite und es darf wohl neben den heute allerorts in Italien gegrünv 
deten kunstgewerbliehen Erziehungsinstituten dem Einflüsse dieser Zeitschrift mit Recht 
zugeschrieben werden, wenn das moderne italienische Kunstgewerbe sich seiner Ver- 
gangenheit wieder würdig erweist. H-e. 
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