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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1894 / 6)

worden ist, dies beweist der Eifer, mit dem man sich sofort nach dem 
Eindringen der Renaissance nordwärts der Alpen auf eine erneuerte Pflege 
des antikisirenden Rankenornameuts gestürzt hat, dies beweist die reißende 
Schnelligkeit, mit welcher das gothische Kriechwerk vom neuaufgenom- 
menen Renaissance-Rankenwerk verdrängt worden ist. .. . 
Seit der Renaissance kann man abermals ein stetiges Anwachsen der 
naturalisirenden Tendenz im Rankenornament wahrnehmen. Es ist der 
gleiche Process, der sich schon einmal in der Kunstgeschichte - am Be- 
ginne der- römischen Kaiserzeit - anzubahnen schien. Wurde er aber 
damals durch die Ungunst der Zeiten, durch das Dazwischenkommen so- 
zusagen reactionärer Tendenzen auf allen culturellen Gebieten unter- 
brochen und_ zum Stillstande gebracht, so sind in neuerer Zeit nicht blos 
solche Störungen nicht eingetreten, sondern es haben sich vielmehr 
namentlich in unserem Jahrhunderte die mannigfachsten Kräfte, wie da 
sind: der Aufschwung der naturwissenschaftlichen Forschung, die tech- 
nischen Erfindungen und die Verkehrserleichterungen, zusammengefunden, 
um der naturalisirenden Tendenz im Kunstschalfen mächtigsten Vorschub 
zu leisten. Die ganze Entwickelung des Rankenornaments scheint somit 
auf das Endziel einer allmäligen Naturalisirung hinzutreiben. 
Dennoch behauptet das stilisirte Rankenornament noch heute den ansehn- 
lichsten Platz, übt die majestätisch und ebenmäßig einherrollende Wellen- 
ranke noch immer ihren unwiderstehlichen Reiz, bleibt dieser Meister- 
schöpfung des größten unter allen Kunstvölkern dieser Erde ihr unzer- 
störbarer, classischer Werth auch fürderhin gesichert. 
Angelegenheiten des Oesterr. Museums und der mit 
demselben verbundenen Institute. 
AUSZOIOhBIIDg. Se. k. u. k. Apostol. Majestät haben mit Allerh. 
Entschließung vom 13. Mai d. J. dem Curator des Oesterr. Museums und 
Präsidenten des Wiener Kunstgewerbe-Vereines, kaiserlichen Rathe Alois 
Hanusch in Anerkennung seiner Verdienste um die österreichische Kunst- 
industrie taxfrei den Orden der Eisernen Krone dritter Classe allergnädigst 
zu verleihen geruht. 
Garoussel-Gostüm-Ausstellung. Se. k. u. k. Hoheit der durchl. 
Herr Erzherzog Albrecht hatFreitag den 4.. v. M. Nachmittags, geleitet 
von Vicedirector Reg.-Rath Bu che r, die Caroussel-Costüm-Ausstellung im 
Oesterr. Museum durch einen 5], sttindigen Besuch ausgezeichnet. 
Die Ausstellung wurde am Pfingstrnontag um 6 UhrAbends geschlossen. 
Ausstellung ägyptischer Alherthümer. Anschließend an'die 
Caroussel-Costüm-Ausstellung wurde nach Abräumung derselben" im 
Saale VI des Museums eine Ausstellung ägyptischer Alterthvlinier, 
Eigenthum des Herrn Th. Graf, eröEnet. Diese Ausstellung entbältvdie 
bekannte Porträtgalerie in Verbindung mit einer bisher in Europa nqch
	        

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