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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1894 / 10)

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Edelsteinindustrien. Die genähten und Maschinenspitzen der Compagnie 
des Indes (Martin Georges), von Pierson, Spelmans-Böval und Verbist 
in Brüssel, von Diegerick in Antwerpen, von Gillemon-De-Cock in Brügge, 
von Hupin-Sebille in Binche (eine eigene Art von Näharbeit: vDentelles 
au fuseau, dites de Bincheu), von Minne-Dansaert in Haeltert und Verhoeven- 
Verhoeven in Lierre gehören in Zeichnung und Technik zum Reiz- 
vollsten, das man sich denken kann; sie sind aber auch im Preise über 
alle Vorstellung hoch. Noch immer bietet diese Industrie eine Quelle des 
Reichthums für das Land; etwa 150.000 Frauen und Mädchen erzeugen 
jährlich Arbeiten im Werthe von So bis 60 Millionen Francs, von denen 
Brüssel allein für 2 bis 3 Millionen jährlich nach Paris ausführt. 
Die flandrischen Knüpfteppiche von Guillon (Brüssel) sind be- 
achtenswerth, wenn auch in der Farbe nicht durchwegs glücklich. In 
der Gruppe Glas überragt die Societe anonyme des cristalleries du Val 
Saint-Lambert alle übrigen Aussteller. Die Firma hat vier Fabriken (in 
Val-St. Lambert, das Stammhaus, gegründet 1825, und in Jemeppe bei 
Lüttich, in Herbatte und Jambes bei Namur) und beschäftigt 4500 Ar- 
beiter. Die Jahresproduction beträgt 7 bis 8 Millionen Francs. Es wird 
so ziemlich Alles erzeugt: Tafelgeräth, Decorationsstücke, Beleuchtungs- 
artikel, in Gravirung, Guillochirung und farbigem Decor; die Krystall- 
gefässe in Diamantschliß sind aber wohl die Hauptstärke der Fabrik, von 
unübertreElicher Leuchtkraft und Lichtbrechung. Die Fabrik, in Europa 
wohl bekannt und geschätzt, scheint ihr Hauptaugenmerk auf den Ex- 
port nach der Türkei, Aegypten, Indien, China, Japan, Australien zu 
richten. Auch die Arbeiten von Amiable, Baiwir 8c Cie. (Chenee), vor 
Allem deren Rubingläser, sind höchst beachtenswerth. Auf dem Gebiete 
der Keramik ragt die Firma Boch freres (La Louviere) hervor; ihre Fai- 
encen gehören zum Besten auf der Ausstellung; eine Specialität ist ihre 
Nachahmung von Vieux Delft, Rauen, St. Amand und persischer Fai- 
encen. Auch Baudoux8t Cie. (Cureghem-Brüssel) verdienen für ihre rreH- 
lichen, glasirten und emaillirten Kacheln und Ziegeln volle Anerkennung. 
ln Silber, Email und Goldschmuck leistet Anthony und Van Hemelryck- 
Jacobs (Antwerpen) Vorzügliches; Ersterer, dessen Arbeiten unter dern 
Namen "Bijoux Anthonyu weithin berühmt sind, pflegt mit außergewöhn- 
lichem Geschick die Emailkunst nach alten vlämischen Vorbildern; 
Letzterer bringt prachtvollen Schmuck, bei dem, wie anderwärts, Fülle 
und Glanz der Steine und die Verbergung der Fassung die Hauptsache 
ist. Aber auch seine Arbeiten in getriebenem Silber (Dosen, Bestecke 
u. s. w.) zeigen ihn auf der Höhe des Schadens. An Bronzen bringen 
nur die Compagnie des bronzes (Brüssel) und Bourdon (Gent) Beachtens- 
werthes; Letzterer vornehmlich gute kirchliche Geräthe. 
Die kirchliche Kunst Belgiens, zunächst die figurale Holzplastik, steht 
etwa auf der Höhe unserer Grödener Industrie. Die Vier LüCilS-Silhülßn 
(Staatsanstalten in Brüssel, Antwerpen, Mecheln und Gent), welche, wie
	        

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