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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1894 / 8)

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Nachdem die wichtigsten baugeacbichtlichen Daten festgestellt sind, sucht der Ver- 
fasser auch die Namen der übrigen bei Vollendung der Kirche betheiligten Künstler und 
Kunsthandwerker zu eruiren. Sein Bemühen ist vielfach von Erfolg begleitet und so 
erfahren wir, wer die Schöpfer der Altäre, Oratorien, Beichtstühle, Kirchenbänke, Gitter, 
sowie der Kanzel waren. 
Nicht von gleicher Bedeutung wie die Fürstenfelder Kirche, aber immerhin würdig, 
unter die nennenswerthen Bauten Süddeutschlands aufgenommen zu werden, ist die an 
den Geländen des Ammersees liegende Klosterkirche zu Diessen. Der Bau ist ein Werk 
Job. Mich. Fischer's und wurde 1739 vollendet. Auch bei Besprechung dieser Kirche 
war der Verfasser bemüht, die baugeschichtlichen Daten möglichst vollständig zu sammeln 
und mit kritischer Genauigkeit zu verwerthen. Auch hier erfahren wir nicht allein, wer 
der Baumeister war, sondern werden auch mit den Namen jener Meister bekannt gemacht, 
die mit der Herstellung der Deckenfresken, der Altäre, der Stuccatur- und Vergolder- 
arbeiten, der großen Uhr und des prächtigen Abschlussgitters beschäftigt waren. Es sind 
durchwegs deutsche Namen, die uns hier begegnen, dennoch ist der französische Einüuas 
nicht ferne, denn die hervorragendsten der mit diesen Aufgaben betrauten Meister stammen 
aus dem Kreise jener Leute, die der tChurbairische Oberhofmeister und Director Franz 
Cuvillier: utn sich versammelt hat. 
Befremdend wirkt es auf den Leser, dass diesen historischen Excursen keine Bau- 
beschreibung folgt. Die zahlreichen, mit richtigem Verstündniss ausgewählten und wohl- 
gelungenen Lichtdrucke bedürfen einer solchen umsomehr, als namentlich eine richtige, 
Vorstellung von der farbigen Wirkung zum Verstsndniss des Ganzen unbedingt noth- 
wendig ist. Fs. 
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Specimens of royal fine and historical Bookbinding, selected from the 
royal library, Windsor Castle. 152 plates. Printed in facsimile by 
W. Griggs, with an introduction and notes by R. R. Holmes. 
London, Griggs 8c Sons, 1893. Fol. V, 16 S. M. 156. 
Es ist noch nicht lange her, dass wir rnit den künstlerisch werthvollen Einbänden 
der Bodleiana bekannt gemacht wurden, nachdem kurz zuvor Wheatley die hervorragenden 
Einbände des British-Museums publicirt hatte, und abermals erscheint ein dicker Band, 
der uns in Wort und Bild vorzügliche Werke der Buchbinderkunst einer englischen Bü- 
cherei, der konigl. Bibliothek in Windsor Castle, vorführt. Bibliothekar Holmes hat den 
Abbildungen eine kurze Einleitung und einen Katalog vorausgeschickt, dann folgen auf 
152 Tafeln hauptsächlich englische, aber auch deutsche, französische, italienische und 
orientalische Einbande in vorzüglich gelungenen Facsimile-Reproductionen. Photographie, 
Chromolithographie und Reliefdruck wirken hier zusammen, um das Original in einer 
bis zur Täuschung heranreichenden Treue wiederzugeben. 
Obwohl die Bibliothek erst unter Wilhelm lV. gegründet wurde, also nicht viel 
über 60 Jahre alt ist, enthält sie dennoch Einbände werthvollster Art, da einerseits bald 
nach ihrer Gründung reiche Spenden erfolgten, anderseits genügende Mittel die Mog- 
lichkeit boten, alle nur erreichbaren Werke, die noch das königliche Wappen oder Mono- 
gramm trugen oder sonst der Aufnahme werth waren, für die Bibliothek zu erwerben. 
So entstand, trotzdem der einstige königliche Bücherschatz durch die' großmüthigen 
Schenkungen Georgs ll. und Georgs llI. an das British-Museum Nationaleigenthurn ge- 
worden war, von Neuem eine Sammlung von Büchern aus ehemaligem Hofbesitz, in 
der mit Ausnahme Maria Stuarts alle englischen Regenten von Heinrich VIII. an ver- 
treten sind. 
Wie bei deutschen Arbeiten, so sind auch bei den englischen die Namen der 
Buchbinder in den seltensten Fallen bekannt. Der vornehme englische Einband des 
16. Jahrhunderts begnügt sich damit, in die Mitte des Buchdeckels das Wappen und in 
den Ecken die Embleme des Besitzers. wie z. B. die Straußfedern des Prinzen von 
Wales, die Rose der Tudors etc. anzubringen. Ab und zu werden die leeren Felder mit 
Kreuzchen, Punkten oder dergleichen bestreut. ln dieses System brachte der Wechsel 
der Mode wenig Veränderungen, und die Zahl der vorgeführten Beispiele für diese Art 
von Einbänden ist eine so große, dass mindestens der nicht englische Leser eine engere 
Auswahl dem ermüdenden Einerlei vorgezogen hatte. Höheres künstlerisches Interesse 
gewinnen dagegen die Beispiele, wo die vorzüglichen Arbeiten der Eves vorgeführt 
werden. Fünf prächtige Einbände mit dem charakteristischen zierlichen Blattwerk und 
den in geometrischen Figuren verschlungenen Bändern, manche obendrein mit Einlege- 
arbeit in gefärbtem Leder verziert, repräsentiren die köstlichen Erzeugnisse dieser berühmten 
Buchbinderfamilie unter Heinrich Ill. von Frankreich und seinen Nachfolgern. - Lässt 
sich ein Einfluss dieser Vorbilder auf englische Bucheinbande nicht erkennen, so hat da- 
gegen der Nachfolger im Ruhme der Eves, Florimond Badier, sichtlich in England
	        

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