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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1894 / 8)

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contourirten Sandberge als Abschluß, an den Blick auf Florenz mit Fiesole 
von den Boboligärten erinnernd. 
Das bedeutendste Bauwerk der Ausstellung ist der massiv auf- 
geführte Pavillon für die Kunstausstellung, ein italienischer Renaissance- 
bau, von mit Flachkuppeln gekrönten Eckpavillons liankirt. Der umfang- 
reichste Holzbau ist die lndustriehalle, deren abwechslungsreiche Facade 
in der Conception des Mittelrisalits an französische Ausstellungs-Facaden 
erinnert, deren ornamentale Bemalung im AeuBeren aber, trotz der 
Absicht, nationale Ornamentformen zu verwenden, eher persische als 
galizische Motive aufweist. Das Innere macht durch rothe Bemalung 
aller constructiven und gelbe Bemalung der füllenden Theile keinen 
angenehmen Eindruck, und man hat versucht, denselben durch quer- 
gespannte blauweiße Draperien zu verbessern. 
Mit großer Solidität und am charakteristischsten durchgebildet ist 
der auf Kosten des Statthalters Grafen Badeni erbaute Pavillon der 
Volks- und Mittelschulen, ein Riegelbau mit bemalten Balken und Füll- 
brettern und buntem Ziegeldach, einheimische und niederdeutsche Bau- 
formen vereinigend. Dieser und die ihn Bankirenden beiden Pavillons 
für Hochschulen und für das gewerbliche Unterrichtswesen, sowie der 
gegenüber gelegene Pavillon des Grafen Andreas Potocki mit gelun- 
genen Sgrafhto-lmitationen, alle vier vom schon genannten Director der 
Lemberger Staatsgewerbeschule entworfen und ausgeführt, repräsentiren 
die besten Leistungen auf dem Gebiete der holzconstruirten Ausstellungs- 
bauten. 
lhnen zunächst steht der Pavillon des Erzherzogs Albrecht, ein 
außen und innen mit gleicher Sorgfalt und Eleganz ausgeführter Holzbau 
in Naturfarbe, mit bunten Linien gefasst; dann der Pavillon der Stadt 
Lemberg; der Sparcassen-Pavillon, ein mit Brettern verschalter Riegel- 
bau mit bemalten Balken und schlankem Thurme, dessen oberstes Ge- 
schoB das entzlickendste Bild auf die Ausstellung selbst, sowie auf die 
Stadt Lemberg gewährt. Schließlich der mit Rinde verkleidete Jagd- 
pavillon mit gleichfalls hübschem Thurme und einem zierlichen, ganz 
aus Naturholz hergestellten Annexbaue. 
Die übrigen größeren Bauten der Ausstellung sind die Musikhalle, 
die Landwirthschaftliche Halle, die Maschinenhalle und der Pavillon mit 
ausgedehnter Arena für Turn- und Sportzwecke. Ersterer ist ein zweck- 
mäßig construirter Holzbau, die Maschinenhalle eine große, mit Holz 
verkleidete, dreihallige Eisenconstruction, letzterer ein luftiger Riegelbau. 
Weniger befriedigen die Baulichkeiten des Finanz- und des Ackerbau- 
ministeriums. Der erstere Bau zeigt eine Stuckfacade mit dürftiger Deco- 
ration und fehlerhaften Giebelbildungen, letzterer ist ein reizloser Holz- 
bau mit schlecht ausgesägtem Ornamente in den Füllungen und auf den 
Firsten und Giebelkanten. ln dieselbe Kategorie gehören der Pavillon 
des Grafen Roman Potocki in nüchternster Gothik, der Pavillon Popper,
	        

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