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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1894 / 11)

hunderts von Le Gascon, von Florimond Badier, der Boyet etc., sowie 
die prunkvollen Bände der Pasdeloup, Derome, Dubuisson u. A. auch nur 
in ihren schönsten Exemplaren namhaft zu machen, nur ein ausgezeichneter 
Band in ciselirtem Leder aus dem 15. Jahrhundert mag besondere Er- 
wähnung finden, ein Speculum moralis vom Jahre 14.78, das Kaiser Maxi- 
milian l. einem Salzburger Erzbischof zum Geschenk gemacht. Der Ein- 
band zeigt nebst dem Titel, der in punzierten Buchstaben rings um den 
Rand läuft, das Wappen des Erzbischofs Leonhard lI. und die Kaiser- 
krone. Es ist eine mit großer Sorgfalt ausgeführte und hoch charakteri- 
stische Buchbinderarbeit aus jener Zeit. An den Wänden dieses Saales 
sehen wir eine Sammlung von Werthpapieren, beginnend mit solchen aus 
der Zeit des berüchtigten Finanztheoretikers Law, ferner Lotteriebillette, 
das früheste von 1742, die ältesten Obligationen, ferner Fälschungen auf dem 
Gebiete des Actienwesens, endlich eine große Sammlung von Ex libris. 
Der nächste Saal ist der Papeterie gewidmet. Wir finden hier Gratulations- 
karten und verziertes Briefpapier aus der Zeit des ersten Empire, Visite- 
karten, die älteste angeblich aus dem 16. Jahrhundert, eine schöne Samm- 
lung von Miniaturen und eine Collection reizender Papier- und Pergament- 
fächer des 18. Jahrhs. An den Wänden erblicken wir vergilbte Proben der 
Journalistik aus der Revolutionszeit, Carricaturen mit gereimten Unter- 
schriften, echte Proben der unsauberen Ausgelassenheit jener Tage, und 
andere für das gesellschaftliche Leben am Ausgange des vorigenlahrhunderts 
charakteristische Blätter. Im folgenden Saale wird uns die Entwicklung 
der Lithographie und des französischen Kupferstiches in schwarzen wie 
in farbigen Drucken vorgeführt. Eine Vollständigkeit konnte und sollte 
hier nicht erreicht werden, doch sind vorzügliche Einzelblätter vorhanden, 
unter denen namentlich die von Debucourt besonders hervorgehoben zu 
werden verdienen. Der daran stoBende Ecksaal enthält Documente der 
Geschichte des Buchdruckes in Frankreich. Von den ersten Anfängen 
mit der Biblia Pauperurn, den ersten Pariser und Lyoner Drucken bis zum 
I7. Jahrhundert, - d. h. also in dem weitaus interessanteren Theil - sind 
die ausgestellten Drucke Eigenthum eines einzigen Sammlers, des Herrn 
Claudin. An den Wänden sehen wir Druckerzeichen, Buchtitel u. dgl. 
Special-Sammlungen von Almanachen, Kalendern, Jagd- und Fechtbüchern, 
Spielkarten, Carricaturen u. s. w. ergänzen das Ensemble dieses von an- 
regenden und seltenen Dingen überreichen Saales. Freunde von Auto- 
graphen finden in der folgenden Abtheilung Schriftstücke französischer 
Regenten, Staatsmänner und Generale, Schriftsteller, Künstler, Musiker etc. 
aus nahezu drei Jahrhunderten. Der letzte Saal enthält Collectiv-Ausstel- 
lungen einschlägiger Erzeugnisse fremder Nationen. 
An die Exposition retrospective stößt der Saal der österreichischen 
Section. Das officielle Organ der Ausstellung hat sich bald nach der 
Erölfnung über diese Abtheilung dahin geäußert, dass Frankreich an ihr 
sehen könne, in welcher Weise es künftig bei ähnlichen Anlässen im
	        

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