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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1894 / 11)

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Man frage die Gewerbetreibenden, unter wie vielen unsäglichen 
Mühen, nach wie vielen fruchtlosen Versuchen manche nach Zeichnungen 
angefertigte Gegenstände zu Stande gekommen sind. Wie oft aber wären 
solche Schwierigkeiten ohne Schädigung, ja zum Vortheil des Ganzen zu 
vermeiden gewesen, hätte der Zeichner die unerlässlichen Kenntnisse der 
in solchen Fällen anzuwendenden Constructionsmittel besessen. Mängel 
der constructiven Anordnung können auch durch die bedeutende Ver- 
mehrung des Arbeitsanfwandes, sowie durch die nöthige Beschaffung von 
Hilfsmitteln zur Compensirung der sich zeigenden Uebelstände die Kosten 
eines Arbeitsstückes in's Ungemessene steigern. 
Vor dem geistigen Auge des Zeichners müssen sich die Proceduren 
der Anfertigung des von ihm zu entwerfenden Gegenstandes in allen 
ihren Phasen abspielen. Er arbeitet in Gedanken an der Hobelbank und 
beim Schraubstock, beim Amboss und auf der Töpferscheibe. 
Bei den Vertäfelungen der Innenräume z. B., bei den mannigfaltig 
verschiedenen Stücken des Mobiliars, bei Sitzmöbeln und Tischen, bei 
Kästen und Schränken u. s. w. wird er den Zuschnitt und die Be- 
arbeitung des Holzes, die regelrechte Verbindung der einzelnen Theile 
und die Ausstattung des Ganzen durch flache oder plastisch verzierte 
Details etc. zu berücksichtigen haben. Er muss hiebei die Eigenschaften 
der Holzgattungen kennen, um sie tauglich zu verwerthen. Auch in 
ästhetischer Beziehung tritt hier die Materialfrage in den Vordergrund. 
Ganz abgesehen von der Benützung der specifischen Farbenwirkung 
werden unter Anderem z. B. die Profilirungen seiner Entwürfe anders 
sein, wenn Eichenholz mit seiner charakteristischen, derben Structur für 
ihre Herstellung in Aussicht genommen ist, anders wieder, wenn das 
knochenfeste, feine Ebenholz verwendet werden soll, welches vollkommen 
glatte Flächen und haarscharfe Kanten ermöglicht. 
Wer denkt wohl bei der Betrachtung eines gemustert gewebten 
StoHes an die tausend Rlicksichten, welche in Bezug auf die technische 
Bewältigung seiner Herstellung schon beim Entwerfen unerlässlich sind. 
Die Erklärung des Ausdruckes Bindung ist an und für sich eine 
höchst einfache, wenn man sich bei derselben zu sagen beschränkt, man 
verstehe darunter die Ordnung, nach welcher sich die Fäden gewebter 
Stoffe verschränken. Doch wie die Bindung entsteht und wie sie mit Rück- 
sicht auf die angestrebte Musterung beschaffen sein muss; wie weit schon 
bei dem Entwurf der Musterung auf sie Bedacht zu nehmen ist, das sind 
Dinge, welche das kunstgebildete Publicum selten ahnt, mit welchen hin- 
gegen der für das Textilfach schaffende Zeichner unausgesetzt rechnen muss. 
Gleich der textilen Kunst ist eine andere, von derselben dem Zwecke 
und dem technischen Verfahren nach grundverschiedene, eine eminent 
wviereckigea zu nennen. Ich meine damit die Buchdruckerkunst, speciell 
mit Rücksicht auf ihr Typensystern. Alles was der Zeichner in ihrem 
Dienste, abgesehen von der Herstellung der Schriftzeichen, schafft; alles
	        

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