MAK

Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1894 / 11)

Ei 
was wir an schmückender Zutbat im Schriftsatze, soweit dieser aus ein- 
zelnen Typen zusammengestellt ist, sehen; also alles das, was zu der 
mit dem allgemeinen Ausdruck Accidenzsatz bezeichneten typogra- 
phischen Arbeit gehört, muss sich nach Größe, Form und Anordnung 
einem System von combinirbaren Quadraten verschiedenen Flächeninhalts 
anschließen, wobei zu bemerken ist, dass die Längen der Seiten dieser 
Quadrate stets in aliquote Theile einer bestimmten Maßeinheit zerlegbar 
sein müssen. 
Eine zusammengehörige bestimmte Menge der zur Ornamentation 
geeigneten Buchdrucktypen muss sich, um Randverzierungen, Kopfleisten, 
Schlussstücke u. s. w. von verschiedenen Dimensionen zu bilden, durch 
vielfältig geändertes Versetzen und Nencombiniren zu unzähligen ver- 
schiedenen Bildungen ausreichend erweisen. Es ist nun Sache des 
Zeichners, entsprechende Reihen solcher, für eine möglichst große Anzahl 
von Neuzusammenstellungen geeigneter Ornamentniotive zu erfinden, deren 
zur gegenseitigen Verbindung taugliche, Anschlussstellen auch so an- 
gebracht sind, dass dadurch in dem Beschauer die Vorstellung eines 
Stückwerks nicht wachgerufen wird. Es besteht daher die Arbeit des 
Zeichners hiebei zum Theile aus Zählen, Rechnen und Messen. 
Ganz besondere technische Eigenthümlichkeiten gilt es auf dem 
keramischen Gebiete zu berücksichtigen. Hier hat es der Praktiker mit 
einem Material zu thun, welches im Verlaufe seiner Verarbeitung seine 
Dimension sowohl wie seine Gestalt verändert. Bei keinem Zweige gewerb- 
licher Thätigkeit kann der Unerfahrene größere Ueberraschungen erleben, 
als auf dem Gebiete der Gefäßbildnerei. Die drehrunden Formen ihrer 
Erzeugnisse verändern ihre Erscheinung vor den Augen eines nicht ein- 
geweihten Zeichners von Anbeginn ihres Entstehens bis zur Fertigstellung 
im letzten Brande und necken auf diese Weise den Künstler wie schel- 
mische Kobolde. Schon der Aufriss, die Schablone kann ihm den Possen 
spielen und das von dem Former auf das Sorgfältigste danach gedrehte 
Modell als verunstaltetes Monstrum erscheinen lassen. Eine Vase, zu all- 
seitiger Zufriedenheit in den gefälligsten Verhältnissen entworfen, zeigt 
etwa auf einem dünnen Fuß den Gefäßbauch von unförmlichern Umfange 
und anstatt eines sanft sich erweiternden Randes findet man eine gäh- 
nende Gefäßmündung, trompetenförmig sich erweiternd. Die Schuld tragen 
optische Täuschungen, welche die Profillinien am Aufrisse anders er- 
scheinen lassen als am gedrehten Modelle. Gesetzt den Fall, es wäre 
dieses Modell corrigirt und die Form darnach gemacht, doch ohne Be- 
rücksichtigung des Schwindens beim Trocknen und Brennen der daraus 
zu formenden Masse, so schlüpfen wohl anstatt der geholften normalen 
Prodncte nur verschrumpfte Exemplare aus dem Ofen. 
Hiemit ist aber die Anzahl der Metamorphosen noch nicht erschöpft, 
denn eine nachfolgende Farbengebung thut ein Weiteres. Helle Fär- 
bung blaht die Stücke scheinbar auf, dunkle spiegelt uns ihre gänzliche
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.