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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 2)

darin nirgends einen directen Widerspruch zu der im Nachfolgenden 
gebotenen Lösung zu entdecken. 
Leider ist es unerlässlich, eine theoretische Erörterung des Zweckes 
vorauszuschicken, um dessen praktische Durchführung es sich in der 
Weberei auf der Stufe ihrer Entwicklung in der althellenischen Zeit 
gehandelt hat. Welcher ist der ursprüngliche, von allen Verzierungs- 
und sonstigen Nebenabsichten entkleidete Zweck der Weberei gewesen? 
Offenbar die Herstellung einer Fläche aus textilen Elementen, den Fäden. 
Die Fäden werden in zwei Systeme gebracht, die aufeinander senkrecht 
zu liegen kommen sollen. Das eine System bildet die Kette, das andere 
den Einschlag oder Schuss. Am antiken Webstuhl, wie auf dem Eingangs 
abgebildeten, wurde die Kette derart aufgespannt, dass die Einzelfäden, 
aus denen sie sich zusammensetzt, oben am Zeugbaume befestigt waren, 
unten hingegen durch angehängte Zettelstrecker in straffer verticaler 
Lage gehalten wurden. Diese Kettfäden sollten nun von dem senkrecht 
zu ihnen gedachten System der Schussfäden gekreuzt werden. Dies 
geschah in der einfachsten und ursprünglichsten Weise dadurch, dass 
jeder Schussfaden abwechselnd über und unter die der Reihe nach aus- 
gespannten Kettfäden geführt wurde, wie dies nebenstehende Figur z ver- 
anschaulicht und an jedem gröber gewebten Stück Leinwand deutlich zu 
sehen ist. Wie, mittels welchen Handgriffs brachte man nun diese Kreu- 
zung zu Stande? 
Gewiss wird es eine vielleicht sehr lange Zeit gegeben haben, da 
man, ähnlich wie die Ruthen beim Flechten, auch den schmiegsamen 
Schussfaden zwischen die Kettfäden derart ver- 
wehte, dass man etwa (vergl. die Abbild. Fig. z) 
von rechts beginnend, den ersten Kettfaden 
mit der Hand aufhob und den Schussfaden dar- 
unter schob, den zweiten Kettfaden dagegen 
nicht aufhoh, sondern den Schussfaden darüber 
passiren ließ, den dritten Kettfaden wiederum 
aufhob, den vierten nicht u. s. w., so dass 
alle ungeraden Kettfäden (t, 3, 5, 7) über dem 
Schuss, alle geraden (z, 4, 6, 8) unter dem- 
Fiß- 1- selben zu liegen kamen. Gelangte man so an 
das linke Ende der Kette, dann kehrte man um und ging in der gleichen 
Weise zurück, nur mit dem Unterschiede, dass man jetzt alle ungeraden 
Kettfäden unter, alle geraden über dem Schuss liegen ließ. Nach neuer- 
licher Durchkreuzung der gesammten Kette wiederum am rechten Ende 
derselben angelangt, wiederholte man im dritten Schussgange den Process 
des ersten u. s. w. Auf solche Weise wurde jeder Schussgang durch den 
zunächst darauffolgenden festgehalten und durch die fortgesetzte Anein- 
anderreihung von festgelegten Schussgängen ein zusammenhängendes 
Gewebe erzielt. 
i. 1., 6. 5 k, a. z. r. 
 
	        

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