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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 2)

mit dem Zeugbaum darüber, den auf letzteren aufgewickelten Stoff und 
die mit kugelförmigen Gewichten beschwerten, gruppenweise zusammen- 
gefassten Kettfäden. Ebenso finden sich am nordischen Stuhl die vorhin 
erörterten Querhölzer, und zwar ist ihre Function zur Bildung eines 
natürlichen und künstlichen Faches durch die Zeichnung, wie wir sie 
vorstehend geben, völlig klargestellt. Der Webstuhl befindet sich gerade 
genau in jenem Stadium der Fachbildung, den uns unsere Fig. 4 ver- 
anschaulicht. Die Worsaae'sche Abbildung dieses Stuhles war allen 
bisherigen Bearbeitern des antiken Webstuhles von Conze bis auf 
Schröder wohlbekannt. Es könnte daher verwunderlich erscheinen, dass 
die daran klar zu Tage liegende Lösung der Frage nach der Bedeutung 
der beiden Querhölzer am chiusinischen Webstuhl nicht schon längst 
gefunden und ausdrücklich ausgesprochen worden ist. Die Schuld trägt 
aber die Mangelhaftigkeit der Zeichnung bei Worsaae. Gerade der ent- 
scheidende Bestandtheil, das zum Litzenaufzug dienende Stäbchen c, er- 
scheint daselbst in der Weise gezeichnet, dass in dem Beschauer die Meinung 
erweckt wird, dasselbe wäre ebenso wie das untere Querholz zwischen 
die beiden Kettfädenhälften durchgesteckt: die gebrochene Linie, in welcher 
der linke Abschlussrand der rückwärtigen Kettfäden auf der Worsaarfschen 
Zeichnung verläuft, lässt gar keine andere Deutung zu, als dass der Stab 
an die rückwärtigen Kettfäden anstößt, also in der Mitte zwischen beiden 
Hälften sich befinden muss. So konnte es geschehen, dass diese Abbil- 
dung des Faröer-Stuhls in zahlreiche Handbücher übergegangen ist, ohne 
dass man ihn aber in seiner eigentlichen Bedeutung verstanden hätte. 
Die bestimmte AeuBerung Heierli's, dass an diesem Stuhle sowohl 
ein natürliches als ein künstliches Fach sichtbar wären, veranlasste eine 
Anfrage an denselben, deren ausführliche Beantwortung nun zu einer 
endlichen Aufklärung des Sachverhaltes geführt hat; ein Zweifel an der 
Stichhältigkeit dieser Aufklärung ist schon deshalb nicht zulässig, weil 
Heierli diesen Faröer-Stuhl sowie unzählige seinesgleichen, die in Norwegen 
zum Theile noch heute im Gebrauche stehen, aus eigener Anschauung 
auf das genaueste kennt. ln unserer Reproduction der Worsaadschen 
Zeichnung ist aber - wie schon erwähnt - der erlangten Aufklärung 
Rechnung getragen und die Bestimmung des oberen Querholzes c zum 
Litzenaufzug') zeichnerisch so deutlich gemacht, als es in einer graphischen 
Darstellung eben möglich ist. Das Stäbchen mit den Litzen erscheint da 
eben nach vorne gezogen, so dass die hinteren Kettfäden x vor die vorderen] 
zu stehen kommen und ein künstliches Fach d gebildet wird, ganz genau 
wie - es das Schema in Fig. 4 zeigt. Das untere Querholz ist dagegen 
') Bedenken könnte nur der Umstand erregen, dass um das Querholz c die Litzen 
in ziemlich schdrterer Folge geschlungen dargestellt sind, während die nach vorne ge- 
zogenon- Kettflden, deren doch genau ebensoviele sein müssen als Litzen, viel dichter 
daliegen. Ersteres musste aber geschehen, um den entscheidenden Punkt, die Bestimmung 
des Querholzes c zum Litzenaufzug, rnoglichst deutlich zur Aaschauungzu bringen.
	        

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