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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 2)

da wir} über unsere Landesgrenzen wegen der Kosten, der Schwierigkeit 
des Transports, auch wegen der Verantwortlichkeit, nicht hinausgehen 
wollten. Die Museen aber waren gerne bereit mitzuthun und mitzuhelfen, 
so die von Brünn, Budweis, Graz, Linz, Reichenberg, deren Sendungen 
zum Theil sehr willkommen waren und mit Dank angenommen wurden. 
So auch, was das Stift Nonnberg in Salzburg sendete. lm Uebrigen 
konnten Stifter, Klöster, Kirchen uns wenig helfen, da es sich ja um welt- 
liche Gegenstände handelte. 
Die wenigen Kunstfreunde und Sammler, durch welche allein diese 
Ausstellung ermöglicht worden, sind der regierende Fürst Johann von 
und zu Liechtenstein, Graf Hans Wilczek, Dr. Albert Figdor und Herr 
Engen Miller zu Aichholz; ihnen fügen wir noch die Namen des Archi- 
tekten Baurath Karl Kaiser sowie des Herrn C. Trau an, welche viele 
werthvolle Gegenstände herliehen. Nicht am wenigsten war auch das 
Oesterr. Museum selbst im Stande, aus seinen eigenen Sammlungen die 
Ausstellung reich und interessant zu vermehren. 
Ueberßiegen wir die Ausstellung nach ihrem Inhalt, so tritt als 
erste, auch der Sache nach bedeutendste Gruppe das Mobiliar hervor, 
zu welchem sämmtliche der genannten Kunstfreunde Beiträge gestellt 
haben. Ueberwiegend unter den zahlreichen Gegenständen dieser Art ist 
die Gothik vertreten. Einzelnes, wie einige Kasten und Truhen aus dem 
Besitz des Grafen Wilczek, gehört noch der romanischen Epoche an-, 
wenigstens ihrer Art und Verzierung nach. Die italienische Frührenais- 
sance tritt uns charakteristisch durch eine ganze Reihe höchst ausgezeich- 
neter, mit Vergoldung, Malerei, Relief und lntarsia geschmückter Truhen 
entgegen, wahrhaften Kunstwerken aus dem Besitz des Fürsten Liechten- 
stein sowie des Herrn Miller zu Aichholz, sodann noch einige eigen- 
thümlich construirte Sessel aus der Sammlung, vielmehr aus der Woh- 
nung des Dr. Figdor, denn diese Gegenstände dienen in derselben dem 
wirklichen Gebrauche. 
Unvergleichlich reicher als die des romanischen Stils freilich stellen 
sich die Möbel der Gothik dar, reicher sowohl nach Art und Bestimmung 
der Gegenstände wie nach ihrer Verzierung. Es sind große und kleine 
Wandschränke, Stollenschränke, Truhen, Armstühle, Sessel und Fuß- 
schemel, Betten, Tische, Waschkasten, Tellerbretter, Borde zum Auf- 
stellen des Geschirrs, große und kleine Kasten und so manches Andere 
noch zu ganz speciellem Gebrauch, wie Handtuchhalter, Rechentsfeln etc. 
Nach ihrer künstlerischen Seite, sowohl was den Bau wie die Verzierung 
betrifft, geben sie nach allen Seiten die entsprechenden Originalbeispiele 
zu jener Schilderung, welche wir in einem früheren Aufsatz von dem 
gothischen Hnlzmobiliar gemacht haben '). Wir enthalten uns daher der 
weiteren Ausführung. 
') S. vMittheilungen des k. lt. Oeaterr. Muaeumsu, Deeemberheft 1892, und Katalog 
unserer Ausstellung, in weichem der Aufsatz als Einleitung wieder abgedruckt worden. 
, 19'
	        

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