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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 3)

Dass diese Parole keineswegs neu ist, braucht nicht erst hervorgehoben 
zu werden. Aufs Neue und mit besonderem Nachdruck ausgegeben 
wurde sie vor nicht zu langer Zeit von einigen Kunststätten Mitteleuropa's. 
Namhafte Schriftsteller und Künstler haben zu ihrer Verbreitung bei- 
getragen und es fehlt auch keineswegs an intensiver praktischer Bethä- 
tigung der in Vorschlag gebrachten Principien. 
Jetzt schon die Frage des Erfolges der unternommenen Bestre- 
bungen anfzuwerfen, welche dahin zielen, die moderne Ornamentik durch 
die Ergebnisse eines sorgfältigen Pllanzenstudiums umzugestalten, wäre 
viel zu verfrüht. Von Vortheil jedoch kann es nur sein, wenn die Aus- 
sichten, welche ein solches Studium bieten kann, im Allgemeinen wohl 
erwogen werden, wenn man allzu sanguinische Hoffnungen, welche mancher 
nicht näher in die Sache Eingedrungene hegen mag, auf das richtige 
Maß zurückführt, dagegen das, was bei Reforrnbestrebungen angedeuteter 
Art nutzbringend sein muss, besonders vor Augen führt. 
Zu dem Ende ernpüehlt es sich, vorerst das Ornament als solches 
etwas näher in's Auge zu fassen. 
So lange das Menschengeschlecht besteht, strebt der Staubgeborene, 
Alles was er schafft und bildet, nicht nur brauchbar und entsprechend 
dauerhaft, sondern auch schön zu gestalten. Primitive Erzeugnisse aus 
prähistorischer Zeit weisen Formen auf, welche nicht einzig und allein 
auf die Bethätigung des Utilitätsprincips zurückzuführen sind. Auch 
schmückende Zuthat, wenn noch so einfacher Art, findet sich schon an 
Producten der Stein- und der Bronzezeit, und zwar zunächst solcher 
Art, dass kein noch so einfaches Beispiel der Darstellung eines pflanz- 
lichen oder thierischen Wesens sich zeigt, kein noch so leiser Versuch, 
in der Natur Geschautes seiner äußeren Erscheinung nach festzuhalten 
und mit den zu Gebote stehenden Mitteln wiederzugeben. Bei dem Um- 
Stande, dass Linien, Punkte oder Kreise u. dgL, die rudimentärsten Ele- 
mente jeglicher Zier einfachster Art, auch in der Natur, verschiedenartig 
aggregirt, häufig genug vorkommen, um auch gelegentlich von Menschen 
nachgebildet zu werden, mag sich Mancher versucht fühlen, solche Zier- 
formen als Resultate directer Nachahmung anzusehen. Gewichtige That- 
sachen belehren uns jedoch eines Anderen. Nur ein paar derselben seien 
beispielsweise erwähnt. 
Zu den einfachsten ältesten Ziermotiven gehört unter Anderen die 
Spirale, sehr oft - ja in den meisten Fällen - in enger, dichter, viel- 
facher Windung hergestellt. Bei der Häufigkeit der Anbringung der- 
selben sollte man auch auf ihr häufiges Vorkommen in der Natur 
schließen können, falls sie als Urbild dieser entnommen worden wäre. 
Nun finden sich aber derartige Spiralen in der Natur fast gar nicht. 
Noch weniger kann für eine weitere Zierform das Urmotiv in dem sich 
täglich darbietenden Schatze der natürlichen Vorbilder gesucht werden: 
für die Durchkrenzung zweier Liniensysteme, d. h. für die Gitterung.
	        

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