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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1893 / 3)

 
weis auf ihre Kunst mag ja genügen, die Bedeutung so mancher alten 
Kunst- und Stilregel unseres Welttheils zu nichte zu machen. Sie brauchen 
ja doch nur - so hören wir mitunter versichern - hineinzugreifen in 
die Fülle des von der Natur Gebotenen und frisch und frei zu schaden, 
voll Lust und unbeirrt von Regelzwang, nur dem ihnen innewohnenden 
Gefühle folgend, welches sie hinweist auf die Schöpfung selbst, die ihnen 
Lehrmeisterin und Vorbild zugleich ist. Doch sehen wir nur näher zu, 
so werden wir gewahr - und für Wissende ist dies'kein Geheimniss - 
dass auch dort, wo die Kunst der Japaner nur in exacter Beobachtung 
und Wiedergabe des Geschauten zu bestehen scheint, sich eine auf Jahr- 
hunderte alte Schulung basirte Kunstübung zeigt, welche es versteht, nach 
bewährter Erfahrung das Brauchbare vom Unbrauchbaren zu scheiden, 
das Taugliche von der günstigsten Seite zu erfassen und bei der Wieder- 
gabe desselben in Form und Farbe. haushaltend mit den zu Gebote 
stehenden technischen Mitteln, von allem Unwesentlichen abzusehen. 
Dabei ist Jegliches auf seinem Platze. - So zeigt sich uns hinter dem 
zufällig Gegebenen das sorgfältig Gewählte, hinter dem natürlich Günstigen 
das Wohlgeordnete. Freilich sieht der in diese reine, bei allem Reich- 
thum maßhaltende Kunst nicht näher eindringende Beschauer die Natur 
vor Augen und nur die Natur, ohne zu ahnen, wie vieles von dem Natür- 
lichen als unbrauchbar abgestoßen werden muss; mit wie Wenigem die 
Kunst ihr Auskommen findet. 
Dieses WNenige aber wird wieder nicht unwesentlich modificirt durch 
das Materielle der Darstellungsmittel. Man betrachte, wie virtuos alle 
der Thier- und Pflanzenwelt entnommenen Typen mit anscheinend un- 
zureichenden Mitteln dargestellt sind; wie das Urbild, nur auf dem Wege 
einer Uebersetzung wiedergegeben, dennoch den höchsten Grad der Glaub- 
würdigkeit behält, ob sich der Künstler nun der kräftigen und einfachen 
Formen des Messerholzschnittes bedient oder der strengen und reichen 
der Nadelmalerei, oder auch der so ungemein durch die Technik ein- 
geschränkten der Stegemailen u. s. w. Welches Abstractionsvermögen 
ist nicht hier nöthig, um ungestört durch die verwirrende Fülle alles 
Geschauten das klare Bild in seiner Allgemeinheit zu üxiren und zu 
übertragen! Auch hier kann ungescheut behauptet werden, dass die wich- 
tigsten Eigenthürnlichkeiten der japanischen Kunstweise nur auf dem 
Wege traditioneller Verpflanzung erhalten, verbreitet und entwickelt 
werden konnten. 
Die außerordentlich vollkommene Beherrschung der Materie, wie 
sich dieselbe bei den Kunstleistungen Japans documentirt, wurde oftmals 
sogar ausschließlich in den Vordergrund zu stellen versucht. 
(Schluss folgt.)
	        

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